Gesichtssinn

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Wie sorgsam hütet ein Künstler seine Violine oder seinen Flügel und vertraut die Pflege keinem anderen an! Dabei handelt es sich nur um handwerkliche Kunstgegenstände, die man sich für Geld erstehen kann. Aber unser Körperinstrument ist nicht mit Händen gemacht, und wenn es nicht harmonisch arbeitet, kann es nicht von einem anderen in Ordnung gebracht oder repariert werden. Unser Körper ist ein Gottesgeschenk und Gott allein hat die Weisheit, die Macht und auch die Mittel, die Ordnung und Harmonie in unserem Körper herzustellen, und ist auch stets bereit, uns Rat und Belehrung zu erteilen, wenn wir uns vertrauensvoll an ihn wenden. An uns liegt es, daß wir auf seinen Rat lauschen und ihn befolgen und daß wir die Mittel anwenden, die er uns an die Hand gibt.

Der menschliche Körper ist ein unnachahmlich feiner Mechanismus, der niemand außer seinem Besitzer anvertraut werden darf. Da er nun einmal unser Körper ist, müssen wir uns auch mit allen seinen Einrichtungen bekannt machen. Die Anatomie macht uns sozusagen mit der Körper-Geographie und den einzelnen Teilen des Körpers bestens bekannt, benennt und zählt sie, vermittelt uns aber nicht, wie wir unseren Körper in Ordnung bringen und halten können. Auch mit Hilfe irgend eines anderen wissenschaftlichen Studiums läßt sich unser Körper nicht in Ordnung bringen. Wir müssen ihn selbst in die Hand nehmen und stimmen, wenn wir Harmonie durch ihn zum Ausdruck bringen wollen.

Aber wie können wir das machen und was sollen wir dazu tun? Wir müssen atmen und müssen dabei das in unser Wesen hineinatmen, was die Quelle allen Lebens ist und seit alters Ga-Llama genannt wird. Ga-Llama ist das zentralisierende Lebensprinzip, die atomistische Grundlage und der Inhalt unseres irdischen Körpers, ist das, worin wir leben, weben und sind. Ga-Llama hat die Weisen, die Wahrheitssucher, die Denker, die Befreier und Erlöser der Menschheit inspiriert, begeistert und mit Mut und Kraft für die Erfüllung ihrer himmlischen Berufung versehen. Ga-Llama öffnet die Pforten der Erkenntnis und strahlt das Licht der Weisheit aus auf den Weg, der ins ewige Leben führt.

Deshalb sollten wir bei unseren Atemübungen jeden Atemzug in dem vollen Bewußtsein nehmen, daß Ga-Llama in uns ist und wirkt und die Zellen unseres Körperwesens aufbaut, also unsere Grundlage ist und daß es uns gleichzeitig äußerlich umgibt, also mit dem Atem in uns aufgenommen und aufgespeichert werden kann. Wer konzentriert ist, häuft Ga-Llama in seinem Körper an; wer zerfahren ist, läßt es ungenutzt in das Weltall abfließen. Wer größeren Anteil an Ga-Llama haben will, muß es anziehen wollen und zwar muß der Wunsch aus der tiefsten Tiefe des Herzens kommen.

Mit unseren Sinnen läßt sich Ga-Llama nicht wahrnehmen; deshalb sind wir uns seiner gewöhnlich nicht bewußt. Sobald wir uns aber auf Ga-Llama mit dem Gedanken konzentrieren und den Herzenswunsch hegen, es an uns zu ziehen, dann vermittelt uns das Feingefühl des Herzens allmählich eine Ahnung seiner Gegenwart gleich einer zauberhaften Berührung und nach und nach, sobald das Gesinn in der Zirbel für die feineren Herzensschwingungen empfänglicher geworden ist, sogar das klare Bewußtsein seiner Gegenwart in uns und um uns.

Alles können wir begreifen, verstehen und uns bewußt machen, gleichviel ob es religiöser, philosophischer, wissenschaftlicher oder anderer Art ist, wenn unser Gehirn entsprechend entwickelt oder geweckt ist. Denn hiervon hängt die Leistungsfähigkeit unserer Sinne ab. Wir sind es also uns selbst schuldig, zu allererst mit Hilfe der Atemübungen unser Körperinstrument zu stimmen, wenn wir mit Sicherheit Fortschritte erzielen, uns das Zarvan Akarana der alten Philosophen oder die Unendlichkeit erschließen und uns des Höchstdenkbaren in Raum, Zeit und Ursächlichkeit bewußt werden wollen.

Jeder große Erfolg bedarf vieler kleiner, oft unscheinbarer Vorbereitungen. Deshalb bereiten wir uns auch auf die rhythmischen Atemübungen, die unsere höhere Entwicklung einleiten sollen, durch allgemeine gesundheitsfördernde Maßnahmen vor, um den natürlichen Atemgang und den Blutumlauf anzuregen.