Gesichtssinn

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Das Frühstück müssen wir uns abgewöhnen. Solange du aber glaubst, es gehe nicht ohne Frühstück, dann beschränke es auf ein wenig Obst und Getreideflocken oder auf ein aus Getreide bereitetes Getränk, z.B. Gerstenkaffee. Das Ziel, hierbei ist, daß wir so rasch wie möglich von der Nervenkrankheit, die man Appetit nennt, frei werden.

Wir sollten erst etwas genießen, nachdem wir einige Stunden gearbeitet haben. Sobald wir morgens aufgestanden sind und durch unsere Übungen gegangen sind, gehen wir an die Arbeit und setzen uns nicht wieder, bevor wir wenigstens 2 Stunden auf den Füßen waren und uns hier oder dort so beschäftigt haben, daß der Körper dabei gleichzeitig geübt wurde.

Sei immer geschäftig und verrichte nützliche Arbeit, gleichviel ob sie bezahlt wird oder nicht oder ob du sonst unmittelbaren Nutzen davon hast. Bietet sich keine Arbeit mit den Händen, so übe dein Denkvermögen, halte Augen und Ohren offen und lasse dir nicht entgehen, was deine Sinne nur irgend wahrnehmen können. Betrachte alles, was du beobachtest, sorgfältig und überdenke es mit aller Sorgfalt und wäge das Für und Wider ab, ehe du dein Urteil abgibst. Urteile nie voreilig und kritisiere nie. Kritiksucht läßt auf eine tiefeingewurzelte Krankheit schließen. Lasse dich nie in Wortgefechte ein, gleichviel ob man sich über Volkswirtschaft, Politik, Philosophie, Wissenschaft, Religion oder Soziologie unterhält. Wer sich zu Wortgefechten fortreißen läßt, beweist, daß er keinen inneren Halt hat. Solche Eigenschaften verursachen Unglück und Störungen auf körperlichem, seelischem und geistigem Gebiete.

Sei immer gefaßt und laß dich nicht verstimmen, sondern sei fröhlich und glücklich und gib diesem Zustand Ausdruck, indem du ein Liedchen singst oder eine Melodie summst oder pfeifst. Lasse deine Gedanken nicht von der Arbeit, die du vor dir hast, abschweifen und lasse keine Ideen durch das Gehirn schwirren, die mit deiner Arbeit nichts zu tun haben. Lege die edelsten, reinsten und höchsten Gedanken in deine Arbeit; dann wird dir auf alle Fälle dein wohlverdienter Lohn werden. Wie beschäftigt wir auch sein mögen, so machen wir doch jede Stunde einmal für einige Augenblicke eine Pause, um die Lungen gründlich zu entleeren und einige tiefe Atemzüge zu nehmen. Dadurch verhelfen wir unseren Organen zu ihrer natürlichen Lage, so daß sie besser arbeiten.

Selbst wenn die Luft nicht so rein ist, wie wir sie uns wünschen, so sollten wir doch die kleinen Atempausen innehalten. Denn wir können selbst aus weniger guter Luft das herausziehen, was uns von Nutzen ist, wenn sich unsere Organe von unserem Willen lenken lassen. Unser Willen spielt bei der Atmung die Hauptrolle; alles übrige ergibt sich dann zwanglos. Auf diesem Wege wird uns allmählich bewußt, daß wir tiefer und rhythmischer atmen müssen, und es beginnen sich uns Gedankenreiche zu erschließen, die wir bisher mit unserem Denkenswesen nicht erreichen konnten, obwohl sie in unserem Innern, also in nächster Nähe liegen und nur auf eine Gelegenheit warten, sich erschließen zu können.

So sind wir vorbereitet auf die erste rhythmische Atemübung, die den individuellen Atem herstellen und den Gesichtssinn und das von diesem unabhängige innere Auge oder das Hell- oder Klarsehen entwickeln soll.