1. Rhythmische Atem-Übung - 3

Beitragsseiten

Zur ersten Übung sitzen wir auf einem Stuhl und lassen die Fußsohlen ganz, also nicht nur mit einem Teile, auf dem Boden ruhen. Der Stuhl muß so hoch sein, daß die Oberschenkel beim Sitzen waagerecht liegen; wenn nötig, gibt man den Füßen eine Unterlage, etwa durch eine Fußbank oder ein Buch, oder erhöht den Sitz durch ein Kissen oder einen anderen Gegenstand. Hat der Stuhl eine Lehne, so setzen wir uns soweit zurück, daß der Körper die Lehne dicht oberhalb des Gesäßes berührt. Jedoch lehnen wir uns nicht an, sondern neigen den Oberkörper eher in den Hüften ein wenig nach vorn.

Die Brust dehnen wir aus, heben sie ein wenig, wodurch der Unterleib von selbst zurücktritt. Die Schultern nehmen wir leicht zurück und lassen sie etwas herabhängen. Die Hände legen wir auf die Oberschenkel und legen dabei die Arme so an den Körper, daß die Ellenbogengelenke die Hüften berühren. Die Finger und die Daumen sind zwanglos ausgestreckt, so daß die Daumen mit den Zeigefingern ein lateinisches V bilden. Die Füße bilden einen ähnlichen Winkel; aber die Fersen berühren sich nicht, sondern sind etwa fünf Zentimeter und die Zehen etwa zwölf Zentimeter voneinander entfernt.

Der Mund ist geschlossen, die Zähne sind leicht getrennt, also nicht aufeinander gepreßt. Die Zunge ruht völlig entspannt am Mundboden und ihre Spitze berührt leicht die unteren Schneidezähne. Das Kinn ist leicht an den Hals angezogen, so daß das Gesicht völlige Unabhängigkeit ausdrückt. Der Oberkörper ist gerade und aufgerichtet; jedoch sind alle Muskeln entspannt; nur die Wirbelsäule ist festgesetzt.

Wir achten darauf, daß nicht irgendwo Spannung aufkommt, sondern beseitigen die geringste Spannung sofort. Spannen sich etwa die Hände, die flach auf den Oberschenkeln liegen, dann ziehen wir sie einfach etwas an. Macht sich in den Füßen oder Beinen Spannung bemerkbar, dann stellen wir die Füße ein wenig vor oder zurück, ohne daß wir unsere Übung unterbrechen. Haben wir in dieser Weise völlig entspannt die richtige Stellung eingenommen, dann sind wir bereit, mit den rhythmischen Atemzügen zu beginnen.

Alle rhythmische Atmung muß durch völlige Entleerung der Lungen vorbereitet werden. Das geschieht dadurch, daß man zuerst kurz aus und ein, aus und ein, aus und ein, etwa sechsmal oder öfter, atmet, und die letzte Ausatmung so lange wir irgend möglich ausdehnt, bis die Lungen völlig entleert sind. Dann erst beginnt man mit den rhythmischen Atemzügen, die je sieben Sekunden dauern sollen.

Bist du kurzatmig, dann gelingen dir so lange Atemzüge nicht; dann nimmst du so volle gleichmäßige Atemzüge, wie es dir möglich ist. Beginne mit vier Sekunden Einatmung und vier Sekunden Ausatmung und gib nach und nach eine Sekunden zu, jedoch ohne dich zu spannen oder zu zwingen. Alles muß leicht und anmutig ausgeführt werden und in kurzer Zeit gelingen uns die rhythmischen Atemzüge von sieben Sekunden Länge.

Während der Atem sieben Sekunden lang durch die Nüstern rhythmisch, wellenartig, sanft und tief einströmt, fülle zuerst die oberen Lungenflügel und dann die übrigen Teile der Lunge bis zum äußersten, aber so, daß sich nichts spannt oder verkrampft und daß Ungleichmäßigkeit und Hasten vermieden werden. Alles vollzieht sich in vollkommenen Wellenlinien. Nach der Einatmung bis sieben kommt der Wendepunkt in Gestalt einer kurzen Pause von Sekundenlänge und dann folgt die rhythmische Ausatmung bis sieben, bei der der Atem in der entgegengesetzten Richtung ausströmt. Dann kommt wieder der Wendepunkt als kurze Pause von Sekundenlänge. So fahren wir fort, für drei Minuten im Sieben-Sekunden-Rhythmus zu atmen.