Dem Gesinn die Macht über die Materie zu verschaffen, ist das Streben des Menschen seit undenklicher Zeit. Im Maße seiner Erkenntnis und Übung war sein Bestreben auch erfolgreich, und immer größere Möglichkeiten offenbarten sich seinem Gesinn in diesem Reich der Erscheinung, der täuschenden Illusion und wandelbaren Materie.
Aber diese Macht des Gesinnes planmäßig und vernunftgemäß zu erweitern bis zu dem Grad, der überhaupt im Bereich des Menschen liegt, ist nur selten und immer nur von wenigen unternommen worden. Dabei sollte es geradezu öffentlich und von Staats wegen betrieben werden, damit die Segnungen eines erweiterten Gesinnes und die damit verbundenen neuen Möglichkeiten ohne Ausnahme allen denen zugute kommen, die nicht schon von Natur aus so begabt sind. Das Erste, was hierbei nötig ist, ist der Glaube an erweiterte Möglichkeiten unseres Gesinnes. Ist dieser Glaube da, dann werden wir auch nicht rasten, bis wir das Ziel erreicht haben. Das Zweite ist dann, mit den Wegen und Mitteln vertraut zu werden, die uns zum Ziel führen, damit wir uns des Erfolges sicher sind.
Viel ist schon über das Gesinn und noch viel mehr über die Materie gesagt und geschrieben worden; aber der praktische Nutzen von alledem ist doch sehr spärlich im Vergleich zu den unerschöpflichen Möglichkeiten, die noch vor uns liegen, und zu den Talenten, die noch unausgeschöpft brachliegen und auf ihre Ausbeutung zum Ruhme ‚Mazdas‘ und zum Nutzen der ganzen Menschheit warten.
Die Wirksamkeit unseres Gesinnes ist davon abhängig, dass in den Nervenknoten genügend Nervenfluidum oder Elektromagnetismus vorhanden ist, ebenso wie unsere körperliche Gesundheit davon abhängig ist, dass das Blut genügend von Sauerstoff durchwirkt oder oxidiert wird, damit es den Körper warm genug und die Organe in natürlicher Funktion erhalten kann. Manche Menschen sind von Natur aus körperlich so glücklich gestellt, dass bei ihnen das Blut rhythmisch kreist und über das Durchschnittsmaß hinaus rein ist, sodass sie sich stets einer ausgezeichneten Gesundheit erfreuen, selbst wenn sie bald dieses, bald jenes Gesetz erheblich übertreten. Auf der anderen Seite gibt es ebenso solche, deren Nervensystem sich von Natur aus generiert oder mit Elektromagnetismus lädt, sodass sie erstaunliche Fähigkeiten und Talente offenbaren und mit ihrem Gesinn noch unentdeckte Höhen und Tiefen der Ätherreiche durchdringen.
Vielen aber fehlt von Natur aus der natürliche Vorzug in der einen oder anderen Richtung, und gar manche sind weder in der einen noch in der anderen Richtung von Natur aus bedacht worden, sodass ihnen die Anwendung ihrer wenigen oder schwach entwickelten Talente immer Seelenqualen und eine große körperliche Anstrengung bedeutet. In den meisten Fällen wäre es also unbedingt gut, etwas darüber zu wissen, durch die Befolgung welcher Naturgesetze man zu größerer Macht des Gesinnes kommen kann.
Um dem Gesinn mehr Macht über die Materie zu vermitteln, handelt es sich nicht darum, etwa der Materie Macht zu nehmen und diese dem Gesinn zuzulegen, sondern die Frage ist einzig die: „Wie kann das Gesinn veranlasst werden, aus sich heraus mehr Macht zu entwickeln und diese Macht zu erhalten und zu vermehren?“
Auch der zweite Teil der Frage ist wichtig. Denn häufig haben solche, die mit außerordentlicher Macht des Gesinnes von Natur aus ausgestattet waren, diese Macht verloren, wenn nicht ganz, so doch teilweise. Wie viele Menschen sehen wir doch im Leben eine außerordentliche Höhe erklimmen und auf der Höhe ihrer Macht körperlich, moralisch oder geistig zusammenbrechen! Manche wiederum, die in der Jugend gar keinen besonders hohen Flug zu nehmen schienen, fingen mit vorrückendem Alter an, ungewöhnliche Fähigkeiten und Fertigkeiten an den Tag zu legen.
Wenn wir uns die Frage vorlegen, was wohl einen Menschen veranlasst haben kann, sich mehr oder weniger im Gegensatz zu seinem bisherigen willen- und tatenlosen Verhalten für etwas zu begeistern, Mut zu fassen und Hand anzulegen, so würden wir bei genauem Zusehen finden, dass er seinen Atemrhythmus geändert und entsprechend dieser Änderung neues ‚Fluidum‘ in den Nervenknoten erzeugt hat, sodass sich im gleichen Maße das Gesinn mehr betätigt und ihn zum Handeln und Vollbringen anspornt.
Haben wir uns dies einmal klargemacht, dann brauchen wir unseren Fortschritt in der Entwicklung nicht mehr von einem Zufall abhängig sein zu lassen, sondern können uns bewusst zu einem anderen Atemrhythmus erziehen, indem wir einfach üben, uns des Atems nach der Ausatmung für eine gewisse Zeit zu enthalten. Darauf folgt ganz von selbst eine tiefere Einatmung, die die Nerven zu stärkerer Tätigkeit anspornt und die Nervenknoten mit Nervenfluidum oder Elektromagnetismus lädt, sodass sich die Tore des Gesinnes von selbst auftun, um der höheren Natur der Gehirnintelligenzen die Bahn freizumachen.
Dieses völlige Anhalten der Atemtätigkeit nach der Ausatmung erfordert allerdings Konzentration. Durch Übung gelingt es einem jedoch in verhältnismäßig kurzer Zeit; und man muss sich in völliger Entspannung allmählich wenigstens für eine halbe Minute des Atems völlig enthalten können, ehe man der Lunge erlaubt, sich auszudehnen und wieder Luft von außen einzulassen.
Während der Atementhaltung muss man alle Suggestionen oder äußeren Einflüsse aus dem Bereich des Gesinnes entlassen. Man darf auch nicht über Gegenstände oder irgendein Thema Betrachtungen anstellen oder nachdenken, sondern hält nur den einen Gedanken fest: den Atem anzuhalten und dabei körperlich ganz entspannt zu bleiben, sodass man nicht einmal zu einer Bewegung veranlasst werden könnte durch das Kitzeln einer Fliege auf der Nasenspitze.
Von O. Z. Hanish. Aus Atem – Animationen.
Foto: Adobe Stock © Yurii






