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Atem - das unentdeckte Potential

Lunge bunt gelb blau rot Watercolour

Atem und Atmen II

Je länger der Atem und je besser die Beherrschung der Lungen, umso besser ist die Gesundheit und umso länger das Leben in diesem materiellen Körper.

Die Wissenschaft hat das wiederholt festgestellt. Bis in alle Einzelheiten musste sie sich mit diesem Gegenstand befassen und dabei entdecken, dass nicht nur die Ausdehnungsfähigkeit der Lungen ein lebenswichtiger Faktor ist, sondern dass auch die Fähigkeit, den Atem zu halten, ebenso wichtig ist. Von dieser Fähigkeit ist die Zusammensetzung des Blutes und seine Belebung abhängig und davon wiederum die Verdauung und Umwandlung der Speisen. Alle materiellen Mittel mögen die Organe des Körpers anreizen und dadurch zu größerer Funktion steigern; dabei müssen aber stets die in den Geweben verankerten Kräfte Opfer bringen. Mit deren übermäßiger Inanspruchnahme sind jedoch leicht Erschöpfungszustände verbunden, die zu Krankheiten aller Art führen.

Deshalb muss man immer wieder zum Atem zurückkehren. Atem ist Leben. Daher muss seine Verbesserung und Vermehrung vermehrtes und verbessertes Leben zur Folge haben – und zwar entsprechend der Richtung, in der wir den Atem vermehren oder verbessern. Sollten wir nur durch gymnastische Übungen zu vermehrtem Atmen kommen, so würden wir bald überzeugt sein, dass dadurch nur eine Anregung, schließlich Erregung und Reizung der körperlichen Seite unseres Wesens herbeigeführt wird und nur eine größere Leistungsfähigkeit unseres Gesinnes in materialistischer Richtung.

Wir müssen also bei unserer Atemkultur nicht nur auf eine Vermehrung des physisch-körperlichen Rhythmus, sondern auch des spirituell-seelischen achten. Dann wird das Intellektuelle ganz von selbst die beiden Gegensätze des Materiell-körperlichen und Spirituell-geistigen ausgleichen und das Gleichgewicht oder die Polarität des Individuums verbürgen oder einen vollkommenen Charakter offenbaren.

Tiefes Atmen, das heißt gründliches Leeren der Lunge, gleichviel ob während der Arbeit oder der Freizeit, wird stark dazu beitragen, die Organe des Körpers mit neuer Kraft zu laden und das Gesinn zu größerer Tätigkeit anzuregen, sodass sich sein Wirkungskreis oder unsere geistige Leistungsfähigkeit erhöht.

Um ein schwach entwickeltes Talent zu bestärken oder ein träges Organ oder Glied des Körpers tätig zu machen und zur Vollziehung der naturgemäßen Aufgabe zu bringen, müssen wir den Lebensatem atmen und dabei unser Wünschen und Verlangen jeweils auf das besondere Talent oder Glied oder Organ richten. Für körperliches Wachstum muss man mehr ausatmen. Für erweiterte Tätigkeit des Gesinnes muss man mehr einatmen.

Halte den Atem nach der Einatmung an, wenn ein Talent in dir wachsen soll. Höre nach der Ausatmung auf zu atmen, wenn du wünschst, aus der Inspiration eine Offenbarung des dir noch Unbekannten zu empfangen, sodass du sicher durch den Alltag gehst. Mehr Aufmerksamkeit auf die Lunge, wenn auch nur für 2 Minuten alle 2 bis 3 Stunden am Tag, ist für unsere Entwicklung förderlicher als stundenlanges Studium.

Während der Sommerzeit nehmen wir einen gemächlichen Einatmungszug, atmen schneller aus und dann wieder ein – in der Weise, als wenn in einem Sturm die Wogen aufeinanderprallen. Bei geistiger Erschöpfung, Nervosität und Fieber nimmt man eine lange Einatmung, hält einen Augenblick an, entspannt sich vollkommen, atmet dann plötzlich und rasch aus und fährt fort, noch weiter auszuatmen, bis wirklich nichts mehr ausgestoßen werden kann. Allmählich lernt man, die Lunge vollständig rhythmisch zu leeren und den Gedanken ganz und gar dabei zu haben. Auch die völlige Entspannung stellt sich dabei allmählich ein, wenn man von Anfang an darauf achtet, dass man nicht mit den Zähnen knirscht, sondern die Zahnreihen leicht getrennt voneinander hält, während die Zunge ganz entspannt am Mundboden liegt.

In dieser Weise wird der Atem die Natur unterstützen, alles in unserem Körper zu regulieren und im Zustand der Entwicklung zu halten.

Von O. Z. Hanish. Aus Atem – Animationen.
Foto: Adobe Stock © 
Shodaime
 


 

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