Wir sollten beständig auf unseren Atem achten. Denn das Atmen ist und bleibt die Hauptfunktion von früh bis spät an jedem Tage unseres Daseins. Nur durch genügendes Atmen lässt sich der Blutumlauf normal erhalten, d. h. die Überlastung des Blutes mit Säuren und Mineralien vermeiden und Krankheit verhüten.
Der gewöhnliche, materielle, angeborene Atem ist unwillkürlich, unregelmäßig und wirkt daher in der Hauptsache nur materiell-physisch, also meist nur auf die hinteren Lungenlappen, was aber nicht genügt, um das Blut rein und in gutem Umlauf zu halten.
Wir müssen über das gewöhnliche Atmen hinausgehen, müssen die Lungen häufig völlig entleeren, um die weißen Blutkörperchen zu entlasten und dadurch gleichzeitig Leukokythos, das magnetische Feld im Blut, zu erweitern, das einzige Mittel, uns vor Krankheitsüberfällen zu schützen. Denn wenn die weißen Blutkörperchen träge werden, verengt sich das magnetische Feld oder Leukokythos, und je mehr die roten Blutkörperchen den weißen zu Hilfe eilen, umso mehr Säuren und Mineralien überlasten das Blut und legen den Grund für Krankheiten aller Art.
Insoweit der Mensch auch mit den anderen beiden Lungenlappen, also im Ganzen dreifach atmet, entfaltet auch das Gehirn eine dreifache Tätigkeit. Der Atem der hinteren Lungenlappen ist ausschlaggebend für die Sauerstoffzufuhr und kontrolliert die materielle, untere Gehirnanlage. Die oberen Lungenlappen kontrollieren das intellektuelle oder Stirnhirn. Der Zwerchfellatem kontrolliert die moralischen, ethischen, spirituellen, seitlich am Kopf gelegenen Gehirnteile.
Nachdem wir uns über alle Zweige der Wissenschaft einen Überblick verschafft haben und selbst die transzendentalsten Reiche der Philosophien durchflogen haben, kehren wir doch immer wieder zurück zu den Grundprinzipien des Lebens und fragen uns: „Woher kommt die Macht des Lebens und die Zuversicht, dass es ewig ist?“
Zahllos sind die Antworten, so zahllos wie die Ideen und Meinungen, die förmlich einen Wall bilden, durch dessen Dicke nicht einmal gelegentlich ein Strahl tieferen Verständnisses zum Gesinn hindurchdringt. Demgegenüber gibt es nur den einen Trost: Ideen und Meinungen sind unfertige Gedankenwellen. Sie befriedigen uns daher nicht und beruhigen auch nicht unsere Sehnsucht nach Klarheit.
Wir suchen etwas Greifbares, Solides, etwas, was den Wünschen des Herzens und Gesinns entgegenkommt. Wir müssen die Faktoren begreifen, die den Ausschlag geben für die Entwicklung unseres Gesinns zwecks eigenen Denkens. Denn Ideen und Meinungen gleichen nur einer Wortsammlung, wie sie in Wörterbüchern zu finden ist.
Um die Gehirnzellen für eigene, originelle Gedankengänge zu entwickeln, damit uns das Gesinn zu größeren Errungenschaften verhelfen kann und wir mehr als die schon geweckten Fähigkeiten im Spiel des Lebens einsetzen können, dazu bedarf es vermehrter Atemkraft. Was wir weder durch Vergrößerung der Muskelkraft noch durch Suggestionen noch durch Psychologisieren erreichen können, vermittelt uns dieses Prinzip des Lebens: der Atem.
Der Atem allein kann unsere Gehirntätigkeiten erweitern und vermehren; wir brauchen ihn nur selbst zu erweitern und zu vertiefen.
Von O. Z. Hanish. Aus Atem – Animationen.
Foto: Adobe Stock © PIC4U







