Seine Augen auf einen Gegenstand zu richten, in der Absicht, den Gegenstand sicher zu erfassen, entwickelt die materielle Seite unserer Sinne und das Gesinn. Dabei muss man aber das Auge so auf den Gegenstand richten, dass man kein Verlangen dabei hat, ihn im weltlichen Sinne zu besitzen, sondern man soll so blicken, dass der Geist Mazdas den Blick leitet. Dann wird man bald frei werden von den weltlichen Banden, die uns an die Güter der Welt binden, und doch werden diese uns in Hülle und Fülle zur Verfügung stehen.
Richte deine Augen auf den Gegenstand deiner Wahl wie auf einen Konzentrationspunkt bei deinen rhythmischen Atemübungen, sodass du dich also frei hältst von irgendwelchen Ideen über die zu erwartenden Erfolge. Mit einem Wort: Richte dein Auge auf den Gegenstand so, als wolltest du dem Blick körperlich und geistig nur einen Ruhepunkt geben. Danach richte deine Augen nur für kurze Zeit auf die Konzentrationsstelle zwischen den Augenbrauen, von da auf die Nase, den Mund, die Wangen, das Kinn und zuletzt auf den höchsten Teil des Kopfes, und einige Minuten darauf nimm deine körperliche Arbeit auf.
Man kann die Zeit, während der man seine Augen auf einen bestimmten Gegenstand gerichtet hält, verlängern, um die geistige und körperliche Entwicklung zu beschleunigen. Dann summt man dabei eine Melodie, wie sie einem in den Sinn kommt, und lässt dabei die Zungenspitze über den Gaumen gleiten, als würde man die Tonleiter auf einer Klaviatur spielen. Wenn man die Augen in dieser Weise für kurze Zeit auf einen Gegenstand gerichtet hält, gerade ehe man seine täglichen Pflichten aufnimmt, wird man bald bemerken, wie leicht einem alles fällt. So oft man sich müde fühlt, angestrengt oder erschöpft ist oder nicht weiter kann in der Arbeit, so lege man sie zur Seite, richte die Augen wie angegeben auf einen Gegenstand, und es wird nicht lange dauern, bis Kraft und Frische wiedergekehrt sind.
Sollte es gewisse Schwierigkeiten machen, die Augen auf einen Gegenstand gerichtet zu halten und dort ruhen zu lassen, so kommt das daher, dass die Lunge nicht bis aufs Äußerste geleert zu werden pflegt, weil man es sich immer noch nicht zur Pflicht gemacht hat, das tägliche Gebet auf den Atem in einer Ausatmung auszusprechen. Zeigt sich das Gesinn zerstreut, sodass der Blick bei unseren Versuchen, auf einem Gegenstand zu ruhen, immer wieder abschweift, dann muss man nicht nur sein tägliches Gebet in aller Ordnung auf eine Ausatmung sprechen, sondern auch noch bittere Kräuter nehmen zur Reinigung des Gewandes der Seele.
Es mag sein, dass man viele Sachen zugleich denken muss, tun aber kann man nur eine Sache auf einmal. Was du auch immer tust, tu es gut, und richte dabei deine Augen mit ungeteilter Aufmerksamkeit auf das, was du zu tun vorhast. Halte dabei den Atem gut im Fluss, und von Tag zu Tag wirst du ruhiger und friedlicher werden und dir vieler Dinge gewahr werden, die sich dir bisher verborgen hielten. Wer nicht danach trachtet, die Kraft, die er durch die Konzentration des Blickes gewonnen hat, in nützliche Arbeit zu überführen, der wird die erlangte Kraft schließlich zur Selbstzerstörung benutzen.
Von O. Z. Hanish. Aus Atem – Animationen.
Foto: Adobe Stock © fuwari, bearbeitet mit ChatGPT
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