Drüsenübungen

Die Drüsenübungen reihen sich an die Lockerungsübungen der Panopraktik. Sie haben nicht den Zweck, die Drüsen zu entwickeln, was Aufgabe der Wiedergeburtspflege ist; sondern sie haben den Zweck, die Drüsen zu schüren und anzuregen, ihre inneren und äußeren Sekretionen und dadurch neue Elementarstoffe für das Blut und neue Ätherstoffe für die Nerven und das Gehirn herzustellen, also das Intelligenzwesen zu entwickeln oder die in den Gehirnzellen enthaltene Intelligenz freizustellen und wirksam zu machen. Das erzielen wir mit den Drüsenübungen nach und nach.

Die Hauptsache ist, dass wir alle Übungen im rechten Geiste vollziehen und wissen, worauf es bei jeder Übung ankommt und was wir damit bezwecken. Wir üben nicht der Übung wegen wie beim Sport- und Turnen, sondern damit uns das Selbstbewusstsein nicht nur in einem jeden Teil unseres Wesens, sondern sogar in einer jeglichen Zelle werde, deren Intelligenz sich schließlich ihrer selbst bewusst werden muss, damit jede Zelle ihre individuelle Aufgabe erfüllt. Durch die Erweiterung des Intelligenzwesens wollen wir Neuerungen, Erweiterungen, Fortschritt, größere Wirksamkeit unserer Gehirnzellen und damit unsere Vervollkommnung erzielen.

Wer übt?

Alle sollen wir üben, alle Lebensalter, alle Temperamente, alle Geschlechter, alle Berufe, alle Stände, alle Volksschichten, alle Arbeitenden und alle Arbeitslosen, alle Gesunden und alle Kranken, kurz, jeder Mensch soll üben, weil sein Fortschritt und seine Vervollkommnung dem ewigen Entwicklungsplan des Gottgedankens entsprechen und jeder Mensch berufen ist, an der Erfüllung dieses Planes bewusst mitzuarbeiten.

Da unter den Abendländern nur 4 Prozent der Menschen wohlgeboren sind und sich daher vollkommener Gesundheit und vollkommenen Wohlbefindens erfreuen, während die übrigen 96 Prozent nicht so glücklich veranlagt sind und sich deshalb Zeit ihres Lebens mit körperlichen Mängeln und Schwächen herumschlagen, müssen mindestens diese 96 Prozent ihre Zuflucht zu Übungen nehmen, wenn sie körperlich und geistig den angeborenen Zustand der übrigen 4 Prozent erreichen wollen. Auch wenn wir uns einigermaßen guter Gesundheit erfreuen oder nur hin und wieder unter negativen Einflüssen zu leiden haben, verbessern wir mit den Drüsenübungen unseren Gesinneszustand und lernen, die negativen Einflüsse abzuwehren. Die Drüsenübungen kommen also jedermann zu gute und jedermann sollte sie durchführen.

Alle Drüsenübungen sind so einfach, dass sie auch von jedermann durchgeführt werden können, von alt und jung, von groß und klein, von Mann und Frau. Sogar schon mit dem kleinen Kind und mit dem Säugling kann die Mutter gewisse Übungen machen. Auch der Unterschied des Temperamentes fällt für die Übungen nicht weiter ins Gewicht; nur kommen die bereits einigermaßen Ausgeglichenen rascher zu Erfolgen als die, deren Temperament noch nicht zur Genüge ausgeglichen ist.

Den Kindern und den Jugendlichen sollte man die Übungen zu allererst geben, damit ihnen die Erfahrungen erspart bleiben, die die älteren alle durchmachen mussten, und damit sie sich aller der Fähigkeiten, Gaben und Talente bewusst werden, die sie schon besitzen, die aber in ihnen noch schlummern und nun an den Tag gebracht werden sollen. Selbst für die kleinen Kinder sind die Übungen besser und wertvoller als das Spielen. Denn während solcher Übungen ist es den Kindern unmöglich, Unheil zu stiften, wie das sonst beim Spielen vorkommt, und gleichzeitig entwickeln sie sich körperlich und dem Gehirnwesen nach stetig und gleichmäßig.

Wenn sich der Lehrer zusammen mit seinen Schülern vor jeder Unterrichtsstunde für drei Minuten mit Drüsenübungen lockerte, würden Schule und Unterricht eine nie versiegende Quelle des Fortschritts sein. Lässt der Lehrer die Kinder früh am Morgen vor dem Unterricht dreißigmal Rumpfbewegungen machen, würden sie nicht nur sehr aufmerksam sein, sondern auch eine rosige Hautfarbe zur Schau tragen, anstatt gelblich oder aschgrau auszusehen. Denn sofort bessert sich der Blutumlauf und das Gehirn erwärmt sich, so dass sich der Unterricht für die Schüler und den Lehrer erleichtert.

Lernen die Kinder schwer, dann lehrt man sie, den Kopf zu lockern, zu rollen, zu werfen und fallen zu lassen, mit dem Nacken zu wippen und sich gegenseitig, aber wissenschaftlich mit den Fäusten erst langsam und dann immer schneller mit federnden Schlägen zu klopfen. Die Kinder werden dadurch nicht erregt, weil durch die Übungen nur eine magnetische Wärme entsteht, die nicht erhitzt. Aber sie sind rege, angeregt und konzentrierter für den Unterricht, können ihm spielend folgen und erledigen ihre Aufgaben rasch und richtig.

Schon nach einigen Wochen sind die Kinder heller, gelehriger, aufmerksamer, eifriger und williger in jeder Beziehung und gehen, wie man sagt, für ihren Lehrer durchs Feuer. Ja, wir sollten in die Schulen gehen und erst die Lehrer und dann die Schüler lehren, wie man sicher und rasch Fortschritte machen kann.

Die Älteren dürfen aber den Kindern nicht nachstehen, sondern müssen mit Riesenschritten eilen, um den seither versäumten Fortschritt aufzuholen, und sollten deshalb die Übungen mit größter Gewissenhaftigkeit aufnehmen. Schon wer regelmäßig turnt, radelt oder Sport treibt, weiß, dass er dadurch kräftiger, gelenkiger und körperlich leistungsfähiger wird, selbst wenn er vorher ziemlich verknöchert war.

Bei älteren Leuten ziehen sich die Sehnen leicht zusammen und dann reichen die Muskeln für die notwendigen Bewegungen nicht mehr aus. Dann kommt es vor, dass man nach den Übungen etwas Schmerz empfindet. Dagegen reibt man die schmerzenden Stellen unmittelbar nach den Übungen trocken ab, bis sie ganz heiß werden. Allmählich verschwinden die Schmerzen, weil die Organe in ihre natürliche Stellung gehen und die Sehnen wieder ihre natürliche Länge erhalten. Dann lebt man auch gern, weil man gewisse Möglichkeiten vor sich auftauchen sieht, die man noch verwirklichen möchte.

Die Drüsenübungen zielen aber über allgemeines Wohlbefinden weit hinaus, nämlich auf geistigen Fortschritt. Deshalb sind diese Übungen auch nicht an ein Glaubensbekenntnis oder Ritual gebunden, sondern kommen den Gläubigen ebenso wie den Ungläubigen zugute. Der Gläubige wird stärker im Glauben und der Ungläubige erkennt allmählich, dass die Glaubenszuversicht unabhängig von einem Bekenntnis oder Ritual ist. Kommt dem Geschäftsmann eine Frage auf, für die er keine Lösung findet, dann sollte er sich einfach zurückziehen und für sechs Minuten Drüsenübungen machen, damit ein freier, befreiender Gedanke in ihm aufkommt, der ihm das Rätsel löst und ihm den Erfolg bringt.

Selbst die Kranken und die Ärzte ziehen aus den Übungen großen Nutzen. In den größten Krankenhäusern Kanadas wurden die Drüsenübungen schon vor Jahren eingeführt. Der Krankheitszustand verringerte sich durch die Übungen durchschnittlich an einem einzigen Tag um 12 Prozent und nach einigen Wochen verließen Schwerkranke das Krankenhaus, sogar solche, die die Ärzte schon aufgegeben hatten. Kranke, die jahrelang darniederlagen, wurden nicht nur gesund, sondern erhielten sich durch die Übungen weiterhin gesund. Alle Ärzte und ihre Gehilfen freuen sich über die Erfolge, weil ihnen Patienten geworden sind, mit denen sie demonstrieren können. Die Ärzte, die sich der Übungen für ihre Kundschaft bedienen, haben einen solchen Zulauf, dass sie die Arbeit kaum bewältigen können, weil jeder geheilte Patient Reklame für den Arzt macht und ihn weiterempfiehlt. Solche Ärzte haben nicht nur viel zu tun, sondern machen sich auch einen Namen, so dass sie in kurzer Zeit ihr eigenes Sanatorium haben und die Kranken in Scharen zu ihnen kommen, weil es einer dem andern sagt, dass ihm wirklich Hilfe geworden ist.

Wann üben wir?

Die Natur erneuert sich alle 5 Stunden und 53 Minuten; das ist Naturgesetz. Deshalb sollten wir uns eigentlich alle 6 Stunden für einige Minuten üben. Tun wir es wenigstens tagsüber alle 6 Stunden für 6 Minuten, also früh, mittags und abends, so befreit uns auch schon das wenige von allem lästigen Fett und Wasser und gibt uns einen natürlichen Sitz. Die Übungen sind also das richtige Mittel, wenn wir schlank werden oder eine Venus-Figur haben wollen.

Diese dreimal 6 Minuten, die wir täglich aus den 24 Stunden den Drüsenübungen widmen, sind wertvoller als stundenlanges Studium, Gymnastik oder Sport, weil wir uns damit für den ganzen Tag alles erleichtern. Selbst die schwerste Arbeit werden wir mit der größten Leichtigkeit verrichten, weil uns die Übungen die Kontrolle über das Drüsenwesen verschaffen. Es hätte nicht denselben Erfolg, wollten wir die dreimal 6 Minuten auf eine Übungszeit von 18 Minuten zusammenlegen; das wäre zu lange auf einmal. Denn wir üben nur so lange, bis wir das Gefühl der Erneuerung haben.

Am Morgen wirken die Übungen am besten. Denn man merkt schon nach einigen Minuten, dass sich ein gewisses Etwas durch die Zellen zieht. Das sind die Ätherstoffe, die die Drüsen an die Nerven abgegeben haben und die sich zu verteilen anfangen. Vielleicht erreichen sie nicht gleich von Anfang an das Gehirn; aber nach und nach tritt das ein. Denn es ist das natürliche Ziel der Ätherstoffe, sich in das Gehirn zu ergießen und die bereits belebten Gehirnzellen aufzumuntern und zu erquicken, wodurch sich andere verwandtschaftliche Zellen angeregt fühlen, sich auch zu öffnen und ihre Intelligenz zu offenbaren. Deshalb sind die 6 Minuten am Morgen mehr wert als eine halbe Stunde zu Mittag oder eine ganze Stunde am Abend, weil die Drüsen am Morgen leistungsfähiger sind.

Darum sind auch die Frühaufsteher und die Besucher der Frühmessen munterer und arbeitswilliger und man studiert auch am Morgen besser. Man würde mit Hochschul- und Universitätsstudien viel mehr erreichen, wenn sie schon um 4 Uhr morgens begännen und die Studenten schon um 4 Uhr früh da sein müssten. Sie würden dann von selbst abends früher heimgehen und mehr leisten. Je später ein Volk morgens das Tagewerk beginnt, umso mehr Faulenzer zieht es sich groß.

Es ist von der Natur so bestimmt, dass wir uns gleich am Morgen aufraffen, aufarbeiten, aufrappeln oder aufrütteln. Ist unsere Natur in Ordnung, dann denken wir durchaus nicht gleich am frühen Morgen an ein Frühstück. Wenn der Hund erwacht, sucht er sich auch nicht gleich einen Knochen, sondern streckt alle Viere, gähnt mehrmals, um die Kohlensäure loszuwerden, streckt den Körper nach vorn und nach hinten, wischt sich mit den Vorderpfoten die Nase und die Augen und springt auf und davon. Die Katze macht es ebenso.

Weil die Morgenübungen die Drüsenätherstoffe über den ganzen Körper verteilen, haben wir keine Eile mit dem Frühstück oder einer anderen Mahlzeit. Erst gegen 17 Uhr nachmittags macht sich ein gewisses Verlangen rege, das substantiell befriedigt sein will. Geben wir dann diesem Verlangen individuell und der Jahreszeit entsprechend nach, dann bauen sich unsere Nerven auf und die Organe arbeiten besser.

Es kommt nicht so sehr darauf an, welche Drüsenübungen und in welcher Reihenfolge wir sie machen. Insoweit folgen wir einfach unserem innern Drang. Sondern es kommt darauf an, dass wir die Übungen überhaupt machen und jedenfalls die Morgenübungen nie versäumen.

Deshalb machen wir es uns zur Gewohnheit, gleich nach dem Erwachen, also noch im Bett, mit den Übungen und Bewegungen zu beginnen, soweit sie sich im Bett machen lassen. Wir ziehen ein Bein nach dem andern an, dann beide Beine gleichzeitig. Dann nehmen wir die Arme hinzu, strecken gleichzeitig ein Bein und einen Arm, wälzen, ziehen, dehnen, strecken uns und atmen dabei immer tief aus. Bei aktiven oder lebhaften Naturen wirkt die reichliche Ausatmung schon nach 10 Minuten so stark, dass die Fingernägel blau anlaufen und eine im Entstehen begriffene Krankheit bricht, weil sich durch die langen Ausatmungen der Blutumlauf verbessert hat. Dann springen wir schnell aus dem Bett, nehmen unsere Kopf-, Hand-, Arm-, Brust-, Rumpf-, Becken- und Beinbewegungen und schluchzen, seufzen und stöhnen am Ende noch einige Male tief auf und aus, indem wir dabei denken: „Ach, Gott, ach, Gott! Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn!“

Im Laufe der Morgenübungen lernen wir, sie sinnvoll und zweckentsprechend anzuwenden, und begreifen, dass alle Streckübungen mehr auf die Nerven wirken, dagegen alles Rollen, Kreisen und Fallenlassen mehr auf das Blut.

Gehören wir zu einem Haushalt, dann ist es selbstverständlich, dass jeder gleich nach dem Erwachen, in seinen Arbeitsmantel gehüllt und noch vor seiner Morgentoilette, zu den Morgenübungen erscheint, durch die alle gemeinsam hindurchgehen, und zwar in allen möglichen und immer wechselnden Stellungen, erst einfacheren, dann schwierigeren.

Auch die Abendübungen haben etwas für sich und geben uns eine besondere Befriedigung. Immer lieber machen wir uns dafür frei, weil sie uns immer mehr Klarheit darüber verschaffen, welche Organe bei den einzelnen Übungen besonders berührt werden. Diesen Organen schenken wir dann jeweils unsere Aufmerksamkeit und umso mehr Nutzen ziehen wir aus den Elementar- und Ätherstoffen, die die Drüsensekretionen liefern. Denn diese Stoffe müssen sich erst umsetzen, bevor sie die Körper- und Gehirnzellen antasten, anstoßen, beleben und erfrischen können, und Umsetzen und Umwandeln vollzieht sich über Nacht.

Je mehr das geschieht, um so mehr müssen die Zellen revibrieren, bzw. den Anstoß erwidern, bis Stoß gegen Stoß, Schlag gegen Schlag von außen nach innen und von innen nach außen wirkt und sich die eine oder andere Zelle an diesen Schlag und Rückschlag gewöhnt hat und dauernd in einem höheren Rhythmus schwingt. Dann wird sich die Zellintelligenz nicht nur ihrer Aufgabe bewusst, sondern erfüllt sie auch immer besser und sicherer. Hat die Belebung aber einmal angefangen, dann geht sie immer weiter, wenn wir mit unseren Übungen fortfahren.

Die Übungen kommen also dem ganzen Körperwesen zugute, weil sie den Organen und Energien und dem Gehirn und den Intelligenzen gleichermaßen Gelegenheit geben, sich aufzufrischen, und weil sich alle Intelligenzen immer mehr auf ihre Aufgabe besinnen. Die Körperzellen werden allmählich empfänglicher für die Schwingungen der Gehirnzellen. Die Gehirnzellen sind gleichsam die Lehrer und die Organe und Körperzellen die Schüler, die sich auf den Lehrer einstellen müssen, um zu lernen. Außerdem stärken die Übungen die Willenskraft, die auf die Muskeln wirkt und dadurch den Körper kontrolliert. Deshalb werden wir uns, wenn wir täglich üben, auch nie überheben, weil wir die Muskeln richtig ansetzen.

Nachdem wir unsere Morgenübungen drei Tage gewissenhaft befolgt haben, fühlen wir uns schon stärker und kräftiger und freier von alten Ideen; sie hängen uns nicht mehr so fest an, weil wir anfangen, individuell und originell zu denken. Das ermutigt uns, mit den Übungen fortzufahren, und nach 5 Wochen haben wir einen solchen Fortschritt aufzuweisen, dass wir nicht mehr davon ablassen.

Es macht uns auch nichts mehr aus, was dieser oder jener über uns sagt, weil wir nicht mehr auf seine Ideen eingehen. Denn die Zeit erscheint uns zu kostbar, als dass wir uns noch mit den Ideen anderer herumschlagen möchten. Wir sind frei geworden von fremden Einflüssen, sind aus den Reihen der 94 Prozent Durchschnittsmenschen ausgetreten und haben uns ein höheres Ziel gesteckt.

Wie üben wir?

Wir üben entspannt, gelassen, ergeben und melodisch.

Entspannt

Entspannt sein heißt, sich der Dehnbarkeit des Zellengewebes bewusst sein. Sind wir entspannt, so dehnt sich in uns alles und vibriert oder schwingt. Gleichwohl sind wir uns aber unserer Stellung bewusst, tragen den Kopf frei und erhoben, ohne dass er sich deshalb zu drehen braucht. Das Drehen können die Augen besorgen, solange sie beweglich sind.

Wir können uns nicht entspannen, wenn wir uns anlehnen, müssen deshalb frei stehen und frei sitzen und uns immer wieder prüfen, dass wir in jeder Stellung oder Lage in allen Teilen entspannt sind. Jede Körperlage und jede Körperstellung, auch bei unseren Übungen, hat ihre besondere Bedeutung und Wirkung auf gewisse Körperteile oder Organe. Die Wirkung wird aber beeinträchtigt, wenn nicht völlige Entspannung vorhanden ist.

Die aufrechte Stellung oder Haltung bei geradem Rückgrat ist von besonderer Bedeutung und sollte von uns geradezu geübt werden, bis sie uns selbstverständlich geworden ist. Die etwa 5 Fuß hohe Blutsäule des Körpers übt rein mechanisch durch ihre Schwere einen Druck von mehr als 1000 Gramm auf den Quadratzoll aus, so dass das Blut vom Kopf nach dem Unterleib und von den oberen nach den unteren Gehirnteilen gezogen wird und die oberen Gehirnteile nicht genug durchblutet werden, wenn wir uns nicht aufrecht halten. Bei aufrechter Haltung fühlen wir uns kräftig und sind auch imstande, die niederen Eigenschaften, Leidenschaften, Begierden und Gewohnheiten im Zaum zu halten.

Deshalb bleibt auch bei allen unseren Übungen der Brustkorb gehoben, gleichviel ob wir uns beugen, drehen oder die Arme oder die Beine übereinander werfen. Ich kann mich sogar vorwärts auf beide Ellenbogen legen; aber der Brustkorb muss frei bleiben, Dann kann ich frei atmen und habe die Freiheit, die das Herz reguliert, das Bewusstsein mehr und mehr erweitert und den Gedanken der Ergebung weckt.

Die sitzende Stellung entlastet die unteren Körperteile und wirkt deshalb beruhigend auf die unteren Gehirnteile. Aber wir lehnen uns auch beim Sitzen nicht an, besonders nicht bei unseren Übungen, die sitzend gemacht werden. Wenn wir frei sitzen, die Brust gehoben halten, den Unterleib einziehen und den Oberkörper in den Hüften leicht vorwärts neigen, dann fällt es uns auch leicht, uns zu entspannen. Bei allen sitzend vorgenommenen Übungen brauchen wir eine bequeme Sitzgelegenheit; ist sie zu knapp bemessen, dann können wir es mit unseren Übungen nicht genau genug nehmen und geraten leicht in Spannung.

In waagerechter Lage, liegend gleicht sich der Körper aus, der Blutumlauf erleichtert sich, das Herz braucht sich bei der Verteilung des Blutes nicht anzustrengen, das Rückgrat wird gut durchblutet und durchwärmt und in der Wärme erneuern sich die Lebenskräfte leichter.

Ist der Körper gespannt, dann werden die Schwingungen und damit die Tätigkeit der Drüsen gehemmt. Wir üben dann nur mechanisch und das bringt uns keinen Nutzen. Je entspannter der Körper ist, um so mehr werden die Drüsen durch die Übungen geschüttelt und gerüttelt und um so mehr innere und äußere Sekretionen erzeugen sie für das Blut und die graue Materie und das Gehirn.

Deshalb ist die Entspannung auch die Voraussetzung dafür, dass die verschiedenen Drüsensysteme, die von Natur aus völlig selbständig und unabhängig voneinander sind, im Laufe der Entwicklung Verbindung miteinander aufnehmen. Je mehr sich die Verbindungen festigen und ineinander greifen, um so gleichmäßiger bilden sich auch die großen Gehirngruppen, die materielle, spirituelle und intellektuelle, aus und treten ihrerseits in Verbindung.

Wenn dann auch unser Gedankenlauf in einer Gehirngruppe, etwa in der intellektuellen, seinen Anfang nimmt, so werden die materielle und die spirituelle Gehirngruppe sofort mit hereingezogen. Dadurch kommen wir zu ausgeglichenem, allseitigen Denken, während sich das einseitige Denken verliert. Je mehr sich die Drüsensekretionen verfeinern, um so mehr erweitern und festigen sich die Verbindungen unter den verschiedenen Drüsensystemen und auch zwischen den drei großen Gehirngruppen.

Das Gehirn des Durchschnittsmenschen weist überhaupt keine Verbindung zwischen diesen drei Gruppen auf. Infolgedessen kann er eine Sache nicht vollständig und folgerichtig ausdenken. Er theoretisiert nur darüber, kommt aber nicht zur Erkenntnis. Sein Denkenswesen ist deshalb schwerfällig, bleibt stehen und beschränkt sich auf Wiederholungen. Deshalb kann man sich mit ihm über etwas, was ihm nicht schon von Natur aus geworden ist, nicht unterhalten. Gedankengängen, die sich mit der Ewigkeit und Unendlichkeit befassen, kann er nicht folgen. Erst wenn er lernt, sich zu entspannen, ändert sich sein Zustand allmählich.

Um uns im Entspannen zu üben, verlegen wir unseren Gedanken darauf, dass alle Spannung in unserem Körper aufhören soll, und fassen den Entschluss, uns von innen her zu lockern oder loszulassen. Dann versuchen wir, das stückweise durchzuführen, indem wir die verschiedenen Körperteile mit dem Gedanken berühren, gleichsam leicht betasten, etwa zunächst vom Kopf bis zu den Ellenbogen, dann von den Ellenbogen bis zum Handgelenk und bis in die Fingerspitzen. So ziehen wir nach und nach aus allen Körperteilen das Gefühl zurück bis in die Zirbel. Wir ziehen z. B. das Gefühl aus dem Arm zurück, dass er wie abgestorben erscheint und wir uns seiner nicht bewusst sind. Gelingt uns das nicht sogleich, dann atmen wir einfach so lange aus, bis sich das Gefühl von selbst aus dem Arm und bis in die Zirbel zurückzieht. Stoßen wir dann diesen abgestorbenen Arm an, so bewegt er sich mechanisch und ganz leicht. So ziehen wir das Gefühl aus allen anderen Körperteilen zurück, auch aus den Beinen und den Füßen. Wir spüren das Gewicht des Körpers und seiner Teile nicht, stellen die Füße gewichtlos auf den Boden, halten Arme und Hände gewichtlos und sitzen sogar gewichtlos. Haben wir den Händen einen Ruheplatz gegeben, dann bleiben sie regungslos da liegen, wohin wir sie gesetzt haben, und so lange wir es wollen.

Wir dürfen also nicht sagen: „Ich halte es nicht mehr aus!“ Wir müssen aushalten, um unser selbst Herr zu werden, und werden es auch, sobald wir uns des Gesinnes in der Zirbel bewusst geworden sind. Es braucht ja nicht lange zu dauern. Wenn es uns gelingt, das Gefühl von überall her wenigstens für eine Minute nach der Zirbel zurückzuziehen, dann genügt das schon für diese eine Stellung. Dann nehmen wir eine andere Stellung ein und verbleiben darin wieder für eine Minute oder bis wir merken, dass sich das Gefühl in der Zirbel sammelt. Sobald wir die Stellung, z. B. des Armes ändern, bringen wir mit dem Gedanken das Gefühl wieder in den Arm zurück. Dann bewegen wir schon die Finger leichter, die Ellenbogen sind gelenkiger und die Oberarmmuskeln beweglich geworden und wir fassen alles mit lebendiger Kraft an.

Verwenden wir jeden Morgen nur einige Minuten darauf, die verschiedenen Körperteile zu untersuchen und das Gefühl daraus auf die Zirbel zurückzuziehen, so brauchten wir nie zu einem Arzt zu gehen. Denn wir werden uns der Lage und des Zustandes eines jeden Organes bewusst und von Tag zu Tag erweitert sich auf Grund der zunehmenden Gelenkigkeit des Körpers unsere Selbsterkenntnis, so dass wir uns schließlich wundern, dass wir überhaupt so gespannt und steif und uns dessen nicht einmal bewusst waren.

Wenn wir dann die Drüsenübungen eine nach der andern hinzusetzen und auch imstande sind, den Körper leicht von der einen zur andern Seite zu drehen, müssen wir doch immer darauf bedacht sein, dass keine Spannung aufkommt, damit die durch die Übungen hervorgerufenen Erschütterungen den Körper vom Scheitel bis zur Sohle in Schwingung versetzen. Alle Glieder müssen beweglich und alle Gelenke locker bleiben, so dass es scheint, als gehörten die Arme und Beine nicht zu unserem Körper. Wir überlassen die Glieder einfach der Bewegung und diese leitet und führt die Glieder, gleichviel welche Stellung oder Lage wir uns geben. Alle Glieder müssen sich vermöge ihrer inneren Kraft aus sich selbst heraus winden, drehen und bewegen, als wenn sie auf Federn gesetzt wären, so dass wir nicht nötig haben, die Muskeln mit unserem Wille anzuziehen.

Also wir zwingen nicht, dringen nicht, drängen nicht, sondern machen alles leicht und gefällig und dann immer schneller, bis der ganze Körper, selbst der Unterleib, in Bewegung kommt, wir so eine Art Wellenschlagen verspüren und uns wie ein Ozean vorkommen, bis die Körperteile sozusagen in Eigenschwung kommen. Kommen wir erst in diesen wahren, richtigen Schwung hinein, dann könnten wir den ganzen Tag weiterüben und dabei noch reden, singen, summen, pfeifen, jauchzen und frohlocken. Alles geht von selbst weiter wie ein Schwungrad, nachdem es einmal in Bewegung gesetzt worden ist.

Dieser richtige Schwung ist es gerade, der uns locker, beweglich, frisch, munter und jugendlich macht, und zwar infolge des besseren Blutumlaufs. Bei Handbewegungen, z. B. führen wir die Hände nicht, sondern lassen sie vermöge ihres eigenen Gewichtes fallen, strengen uns also dabei gar nicht an. Dennoch werden die Muskeln kräftiger und die Nerven feiner, wenn nicht gleich bis zum Herzen, so wenigstens bis in die Fingerspitzen. Die Finger werden gelenkiger und je leichter wir sie, ohne Muskelanspannung, zu einer Faust bringen können, um so beweglicher werden die Ellenbogen und die Oberarme und um so leichter können wir die Fäuste auf dem ganzen Körper herumwerfen, so dass nicht nur das Blut rascher umläuft, sondern auch die Drüsen aufgerüttelt werden und die Nerven unter unserer Kontrolle bleiben.

Der ganze Körper fängt an, sich leicht zu fühlen und wenn wir auch die Arme und die Schulterblätter nie zu Flügeln entwickeln werden, so erleichtern wir uns doch das Fliegen im Luftschiff, fühlen uns dabei angenehm und werden nicht luftschiffkrank, weil sich gleichzeitig durch die Übungen auch die Lunge entwickelt, die Atemzüge sich verlängern und die Lebenskraft von Tag zu Tag zunimmt.

Erst wenn uns die Entspannung etwas selbstverständliches geworden ist, setzen wir mit einer Übung nicht nur gewisse, sondern alle Körperteile und Organe gleichzeitig in Schwingung und nur dann erwärmt sich das ganze Drüsenwesen genügend, um auch genügend äußere Sekretionen herstellen zu können, deren Ätherstoffe für die Belebung des Gehirnes notwendig sind. Aber nur wenn alle Teile des Gehirnes mit genügend Ätherstoffen versorgt werden, kommt es zu einer gleichmäßigen Entwicklung unseres Denkenswesens.

Deshalb wird es uns bei den Übungen sehr bald selbstverständlich, dass wir den ganzen Körper einigermaßen der Hauptbewegung der Übung folgen lassen. Halten wir z. B. den Nacken entspannt, dann merken wir sehr rasch, dass der Kopf bei jeder Bewegung des Körpers eine entsprechende Eigenbewegung macht.

Beugen wir den Oberkörper vorwärts, dann scheint der Körper zwischen Hüften und Nacken aufgehängt zu sein und zwischen beiden Punkten hin- und herzuschwingen, machen wir völlig entspannt eine Armbewegung, dann bekommen wir in den Füßen das Gefühl, als sollten sie sich auch mit in die Höhe heben.

Wenn wir uns dann als Abschluss unserer Übungen noch ganz entspannt die Wangen zupfen, nur eine halbe Minute oder dreißigmal hintereinander, dann brauchen wir kein Rot aufzulegen. Wir bringen dadurch nicht nur die Röte und das Blut in das Gesicht, sondern beleben auch das Gehirn und fangen an, gesunde, belebende Gedanken zu hegen, und bestätigen uns, dass wir körperlich und geistig gesünder geworden sind.

Schauen wir uns am Ende der Übungen um, so erscheint uns alles klarer und deutlicher als zuvor. Also sind in den wenigen Minuten des Übens schon die Augen klarer geworden. Was aber dem einen Sinn zuteil wird, wird nach und nach allen Sinnen zuteil werden, wenn wir täglich für einige Minuten durch die Drüsenübungen gehen.

Mit jedem Tag lernen wir mehr, die Entspannung in den Alltag hineinzutragen. Dadurch wächst unsere Erkenntnis auf allen Gebieten des täglichen Lebens, ebenso unsere Menschenkenntnis und unsere Liebe für alles und alle. Anstatt abwärts zu gleiten, schwingen wir uns immer wieder und immer leichter empor und fühlen uns gedrungen, etwas zu schaffen, zu erzielen, etwas Besseres aus uns herauszuholen. Schließlich kommt uns dabei der ewigwirkende Gedanke im Herzen zu Hilfe, indem er uns immer neue Offenbarungen macht.

Gelassen

Die Entspannung betrifft nur das Körperliche, Leibliche, Physikalische unseres Wesens. Die Gelassenheit stellt das Gesinn in der Zirbel frei, richtet sich nach innen und macht dem Gesinn die Verbindung mit dem Herzen bewusst, so dass sich uns der Weg zur Ergebung an das Göttliche unseres Wesens oder in das Vaterhaus öffnet. Wir können nie sagen, dass wir uns zur Genüge entspannen und ergeben, wenn wir nicht immer wieder darauf bedacht sind, uns in der Gelassenheit zu üben und dadurch aufmerksam zu bleiben, dass wir uns immer mehr entspannen nach außen und immer mehr ergeben nach innen. Also wird uns, je gelassener wir sind, umso mehr Entspannung und Ergebung und umso mehr die völlige Freiheit.

Wenn wir gelassen sind, merken wir nicht einmal, dass sich die Muskeln und die Sehnen anziehen, sondern haben nur ein Gefühl der Leichtigkeit und Sanftheit im ganzen Körper und sind uns nur des Klopfens des Herzens bewusst. Alles ist entspannt, selbst das Gesicht mit allen seinen Muskeln, ja, wir wissen nicht einmal, dass wir ein Gesicht haben. Das Denkenswesen hinter der Stirn mag wach sein, das Auge mag Lichtwellen und das Ohr mag Tonwellen empfangen und die Dinge der Erscheinungswelt mögen rings um uns gegenwärtig sein, so stehen wir doch darüber. In der Zirbel, die alle Sinneseindrücke zu verarbeiten hätte, ist sozusagen niemand zu Hause, obwohl das Gesinn jederzeit bereit ist, seines Amtes zu walten, die Bremsen anzuziehen und die Weichen zu stellen, damit die richtigen Verbindungen mit den Gehirnzellen hergestellt werden. Das ist wahre Gelassenheit.

Wir vergessen die ganze Umgebung, nehmen keine Notiz von ihr, obwohl sie da ist, sondern schalten die Sinne ab gegen äußere Eindrücke, unterhalten deshalb auch keine Ideen, sondern verlegen unseren Gedanken ausschließlich auf die jeweilige Übung. Alle Erscheinungen der Umgebung gleichen Wolken, die vorüberziehen. Wir brauchen sie nicht zu sehen, wenn wir nicht wollen; dann machen sie auch keinen Eindruck auf uns. Ebenso schalten wir alle Ideen aus, die aus unserer Umgebung kommen und Einflößungen, Einflüsterungen, Unterstellungen, Suggestionen und Beeinflussungen unserer Sinne sind und von den Sinnen unserem Denkenswesen bewusst gemacht werden. Je mehr wir uns von Ideen freihalten, um so eher kommen wir in Verbindung mit dem Allgedanken, der sich uns schließlich offenbart. Das ist der Zustand der inneren Entspannung oder der Gelassenheit, die zugleich völlige Konzentration einschließt.

Diese wahre Gelassenheit sollten wir uns für den Alltag aneignen oder uns überhaupt angewöhnen. Die Wolken am Himmel wollen uns zwar die Sonne verdunkeln, sind aber doch nicht beständig, sondern ziehen immer wieder dahin, wie alles, was der Erscheinungswelt angehört, sich immer wieder verziehen muss. Sind wir uns dessen bewusst, dann bleibt uns der Gedanke des Sonnenlichtes für immer und lässt sich von keiner Wolke verdunkeln. Wir werden uns doch nicht an die Wolken klammern wollen, können das ja auch gar nicht!

Selbst alle die Widerwärtigkeiten, die wir täglich erfahren, sind nicht von Dauer, so dass wir uns nicht daran festzuhalten brauchen. Warum ihnen dann überhaupt die Spur eines Gedankens schenken! Es ist doch viel besser und nützlicher, die uralten Mahnungen zu befolgen: „Lass fahren, was das Herz betrübt und traurig macht! Werft alle eure Sorgen auf Ihn; denn er sorgt für euch!“

Das Kind besitzt diese natürliche Gelassenheit; es macht sich keine Sorgen und keinen Kummer, es ist ganz sorglos. Je mehr wir aufwachsen und zunehmen an Weisheit und Gnade, um so viel weniger sollten uns Kummer und Herzeleid begleiten, umso klarer sollten wir denken. Warum sollten wir auch kleinmütig sein, uns erniedrigen und unterschätzen, da wir vom ewigwirkenden Gottgedanken seit Ewigkeit erkannt und anerkannt sind! Also sollten wir nie wieder Ideen nachlaufen und uns nie wieder an etwas glauben machen, was nur vorübergehender Natur ist und keine Wirklichkeit hat, und statt dessen immer wieder den Geist der Wiederbelebung an uns ziehen und den Odem des Lebens einatmen, auf dass sich in unserem Innern der ewigwirkende Gottgedanke immer mehr rege mache und immer wieder neue und originelle Verbindungen knüpfe mit dem, was uns umgibt!

Haben wir alle Ideen ausgeschaltet und uns gegen alle Sinneseindrücke abgeschaltet und verlegen wir unseren Gedanken ganz und gar auf die Übungen, dann vollziehen wir alle Bewegungen originell. Dadurch werden wir für die Schwingungen der bewegten Körperteile empfänglich, so dass diese sich uns offenbaren. Wir schauen die Lage der Organe und ihre Arbeitsweise, schauen, wie sich die weißen Blutkörperchen nach oben und die roten nach unten drängen, wie sich das magnetische Feld im Blut erweitert und sich gleich einer Schlange durch das Zellenwesen hindurch windet.

Unser Gedanke, den wir auf jede Bewegung und damit auf die bewegten Organe verlegen, ist das Ausschlaggebende. Der Gedanke soll die bewegten Organe unter seine Kontrolle bekommen. Die Bewegungen an sich sind nur so lange die Hauptsache, bis wir uns in die Übungsmethode hineingearbeitet haben.

Dadurch werden sich die Organe selbstbewusst und auch unser Selbstbewusstsein erweitert sich. Solange sich die Organe nicht selbstbewusst sind, lassen sie sich leicht aus ihrer Stellung oder Lage verdrängen und vergessen dann ihre Aufgabe. Dann sind sie empfänglicher für Krankheitskeime und wenn sie schließlich ernstlich erkranken, haben alle Heilmittel und Heilanwendungen nur vorübergehende Wirkung. Ist die Leber schwammartig geschwollen, wandern die Nieren, hat sich der Darm über sein natürliches Maß hinaus ausgedehnt, dann helfen uns Leberpillen, Nierentees und Abführmittel nur vorübergehend und mit der ganzen Medizin kommen wir nicht zurecht; selbst wenn wir den Arzt wechseln, wird unsere Krankheit nicht behoben.

Sobald wir gelernt haben, die Sinne auf das Gesinn in der Zirbel einzustellen, richtet sich das Gesinn selbst nach innen und lauscht auf das Innere. Allmählich werden wir uns dessen bewusst und fangen an, die leise, sanfte Stimme des Herzens, anfänglich wie ein fernes Echo und nach und nach immer deutlicher, klarer und bestimmter, zu vernehmen und die Wirksamkeit des Gottgedankens in uns zu begreifen, der nur darauf wartet, dass wir uns ihm zuwenden und ergeben.

Um uns in der Gelassenheit zu üben und zu lernen, unsere Sinne auf das Gesinn in der Zirbel einzustellen, nehmen wir Balancier- oder Gleichgewichtsstellungen ein. z.B. legen wir in sitzender Stellung den linken Fuß unter den rechten Oberschenkel oder schlagen einen Fuß unter und setzen uns darauf. Sitzen wir frei, also ohne uns anzulehnen, dann kommen wir ganz von selbst darauf, unsere Lage oder Stellung so lange zu verbessern, bis wir alles ausbalanciert haben.

Sitzen wir dann einmal im Balancierpunkt, dann kann sich sogar der freihängende Unterschenkel für sich bewegen und wir können gleichzeitig etwas anderes tun, sobald wir das Gefühl auf das Gesinn in der Zirbel eingestellt und dem Unterschenkel den Gedanken übertragen haben, dass er sich frei bewegen soll. Dann kann der Unterschenkel eine Bewegung für sich machen, während die Hände oder die Arme eine ganz andere Bewegung für sich machen.

Das Gesinn in der Zirbel übernimmt dann die Kontrolle über die verschiedenen gleichzeitigen Bewegungen. Dann sind wir bereit, dass wir in solchen Balancierstellungen auch alle Drüsenbewegungen machen können, die sich nur mit der gewählten Balancierstellung verbinden lassen. Wir können dann nur so hin- und hergehen wie eine Schaukel oder das Rad drehen oder Wolle wickeln und dergleichen.

Solche Balancier- und Gleichgewichtsstellungen bringen unsere Sinne mehr und mehr unter die Kontrolle des Gesinnes. Nehmen wir sie nur fünf Minuten täglich vor, so erfahren wir sehr bald, dass wir uns unserer Individualität bewusst werden. Erst nach und nach begreifen wir, was es heißt, sich seiner Individualität bewusst zu werden. Wir waren uns wohl schon gewisser Fähigkeiten, Gaben und Talente bewusst und auch der mehr oder weniger großen Beweglichkeit unseres Körpers. Aber sich der Individualität bewusst zu sein, ist noch etwas ganz anderes.

Wir gebrauchen wohl unsere Sinne, den Gesichts-, Gehör-, Geruchs-, Geschmackssinn und die übrigen Sinne und lassen uns von ihnen leiten oder auch verleiten, führen oder verführen, weil sie noch nicht in Verbindung mit unserer Individualität sind. Sobald wir aber die Sinne auf das Gesinn in der Zirbel zu konzentrieren gelernt haben, vermittelt ihnen das Gesinn die Verbindung mit der Individualität, bzw. dem Gottgedanken im Herzen und dieser übernimmt dann die Führung auch unseres Sinnenlebens. Das begreifen wir aber erst dann, wenn wir es an uns selbst erfahren haben.

Ergeben

Wir sollen die Drüsenübungen aber nicht nur entspannt und gelassen, sondern auch ergeben oder religiös machen, also unseren Gedanken dabei auf ein hohes, ja, auf das höchste Ziel richten.

Zunächst folgen wir einfach jeder Bewegung mit dem Gedanken und beobachten die Wirkungen. Von Tag zu Tag merken wir deutlicher, dass sich unsere Beobachtungen erweitern. Wir werden nicht nur mit der Anatomie unseres Körpers bekannt und mit dem Organ-, Blut- und Nervenwesen, sondern auch mit dem Drüsenwesen und seinen Möglichkeiten und Wirkungen. Wir erleben auch von Tag zu Tag mehr, wie sich alles Körperliche unserem Gedanken fügt, so dass wir selbst ungewohnte Stellungen beliebig lange innehalten können, während wir unsere Melodie singen, summen oder pfeifen, und dass wir selbst Ermüdungsgefühle überwinden, die nur ein Ausdruck organischer Schwäche sind und auf diese Art und Weise durch unseren Willen und unseren konzentrierten Gedanken überwunden werden.

Allmählich wird uns dann auch das Wesen und Wirken des Gesinnes in der Zirbeldrüse bewusst und damit stehen wir an der Brücke, die aus dem Bereich der Sinne oder des Objektiven in den Bereich des Subjektiven oder Abstrakten im Herzen führt. Eine Herzkammer nach der andern erschließt sich; der Seelen- und Geisteszustand, das Gotteslicht oder der Gottesfunken, die Ewigkeit und Unendlichkeit und schließlich die Individualität oder das Göttliche unseres Wesens werden uns bewusst. All das Abstrakte war schon immer da in uns; jetzt aber haben wir ihm durch das bedachtsame, gedankenvolle, andächtige Üben eine Gelegenheit gegeben, uns seine Wirkungsweise zum Bewusstsein zu bringen.

Je mehr wir bei den Übungen unseren Gedanken auf unser inneres Wesen richten, uns unserem Innern ergeben, um so eher wird uns die völlige Ergebung, weil wir zum Bewusstsein gekommen sind, dass unser Körper oder die objektive Seite unseres Wesens nur das Werkzeug für die abstrakte oder göttliche Seite in uns ist, und um so bereitwilliger überlassen wir unser Körperinstrument der Hand des göttlichen Meisters in uns, der allein versteht, das Instrument meisterhaft zu handhaben und die größten Wirkungen daraus hervorzuholen. Wenn ich aber mein Werkzeug aller Welt zur Verfügung stelle, laufe ich die Gefahr des Missbrauchs.

Das Entspannen ist dem Anziehen und Lockern der Saiten eines Instrumentes vergleichbar, das man stimmen will, um alle Saiten auf den richtigen Grundton festzusetzen, den sie innehalten sollen. Einen Teil nach dem andern müssen wir sozusagen stillesetzen in unserem Körper, bis sich der ganze Körper im Balancier- oder Ausgleichspunkt oder im Zustand der Gelassenheit befindet oder alles „stimmt“ in unserem Körper.

Auf einem gestimmten Instrument kann der Künstler alle nur erdenklichen Stücke künstlerisch vortragen und ebenso kann die in unserem Körper eingeborene Intelligenz oder der Gottgedanke vermittels dieses gestimmten Körpers alles in ihrem Plan Liegende offenbaren; dann ist der Weg für das Göttliche unseres Wesens frei, uns durch Erleuchtung, Inspiration und Offenbarung von Tag zu Tag die Mittel und Wege zu zeigen, die wir benutzen müssen, um die körperliche oder objektive Seite unseres Wesens immer mehr zu vergeistigen und nach dem Wille des Göttlichen in uns zu leiten und zu führen. So begreifen wir die Worte des Heilandes besser: „Nicht mein, sondern dein Wille geschehe!“

An die Entspannung und an die Gelassenheit reiht sich also die Ergebenheit, sobald wir zum Selbstdenken und zum Innerwärtsschauen gelangt sind und das Selbstbewusstsein in uns erwacht ist. Ich sage mir dann: „Ich bin und erkenne mich als eine Wirklichkeit an, die auf dem Innersten meines Herzens, meiner Individualität, beruht, und dieses Selbstbewusstsein erstreckt sich vermittels des Gesinnes in der Zirbel sogar auf mein Denkenswesen hinter der Stirn, so dass ich begreife, was der Heiland mit den Worten sagen wollte: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, mit diesen Augen des Fleisches werdet ihr Gott schauen!“ In dieser Ergebenheit an das Göttliche in mir vollziehe ich dann meine Übungen; der Lohn wird dementsprechend sein und alle Erwartungen übertreffen.

Nur auf diesem Wege kann sich unser Denkenswesen im Gehirn erweitern, kann uns ein erweiterter Gedankengang werden, ohne dass wir das Alte über Bord zu werfen brauchen. Wir strahlen über das Alte einfach das Licht der neuen Erkenntnis aus. Deshalb spricht Mazdaznan auch wenig oder gar nicht vom Wissen, sondern hauptsächlich vom Üben in allen möglichen Arten, vom Beten, Singen, Sprüchesprechen in allen möglichen Körperstellungen, damit sich der Körper immer mehr seiner Beweglichkeit bewusst und dadurch empfänglicher für die feineren Schwingungen werde, die seine Vergeistigung fördern sollen.

Ja, ganz entspannt, gelassen,
Sich ergeben seinem Tun,
Das Herz, Gesinn erfassen,
Uns einführt zum Eigentum.

Melodisch

Alle Drüsenübungen führen wir melodisch durch und verbinden sie mit dem Ton, was nichts anderes heißt, als dass wir dabei den Atem zum bewussten, lebendigen Singen, Summen, Pfeifen, Sprechen gestalten, wodurch sich die Schwingungen des Atems potenzieren und die Drüsen um so mehr geschürt oder angeregt werden, ihre Sekretionen herzustellen. Rhythmisches und lebhaftes Singen schürt gleichsam den Funken unter der Asche; die Drüsen beleben sich und ergießen die neuen Elementarstoffe ihrer inneren Sekretionen in das Blut und die neuen Ätherstoffe ihrer äußeren Sekretionen über die graue Materie in das Gehirn, so dass die noch schlummernden Gehirnzellen nach und nach erwachen und unserem Denkenswesen Dinge des Lebens und der Ewigkeit erschließen, über die das Durchschnittsgehirn in Verwirrung gerät und sie infolgedessen verneint, ablehnt oder sogar als unsinnig bekämpft.

Deshalb sollten wir, wenn wir die Drüsenübungen aus irgendeinem Grunde nicht tatsächlich durchführen können, wenigstens die gebräuchlichen Melodien der Übungen mit Eifer und Inbrunst, aber doch entspannt und gelassen singen und den Sinn jedes Wortes bedenken, weil wir uns dadurch den Weg zu höheren Inspirationen freimachen, die uns immer wieder neue Offenbarungen vermitteln und uns schließlich auch die Mittel und Wege finden lassen, die Drüsenübungen wirklich durchzuführen.

Bald begreifen wir es, dass wir den Gesang, das Summen, das Pfeifen nur bei der Arbeit anzubringen brauchen, um aus unseren körperlichen Arbeiten Drüsenübungen zu machen, also entspannte Körperbewegungen, die die Drüsen schüren, schütteln und rütteln. Dann wird unsere Arbeit zum wissenschaftlichen Hantieren. Selbst beim Kehren oder Handhaben eines Besens sind wir uns dann unserer Arbeit ganz bewusst und vollziehen sie konzentriert, so dass wir, ohne Staub aufzuwirbeln, kehren und selbst das Kehren uns den Weg zu neuen Offenbarungen ebnet.

Die meisten Melodien, die uns geläufig sind, lassen sich verwenden. Wir wählen uns sanfte, getragene Weisen mit Worten, die unserem Temperament zusagen, singen piano und pianissimo und gehen, wenn wir forte singen wollen, mit Modulationen oder durch Steigen und Fallenlassen der Stimme von dem einen zum andern Grad über und ebenso wieder zurück. Oft sind die einfachsten Melodien die wirksamsten.

Nachdem wir unsere Wahl getroffen haben, singen wir mit Freudigkeit und Begeisterung und machen die einfachen Lockerungsübungen dazu. Wir beginnen langsam, steigern die Schnelligkeit nur nach und nach und können dabei auch zu entsprechend lebhafteren Melodien übergehen. Wird bei den Übungen die Drüsengegend mit der Hand behandelt, dann tun wir es ganz sanft und zart und steigern die Schwingungen nur ganz allmählich bis zum crescendo. Sind wir mit Leib und Seele und mit dem Gedanken bei den Übungen, dass uns die vermehrten Schwingungen beleben, dann erzielen wir selbst bei geschwächter Gesundheit oft wunderbare Wirkungen und in kurzer Zeit Belebung und Kräftigung.

Es dauert nicht lange, so finden wir zu jeder Drüsenübung eine besonders geeignete Melodie. Dann entspannen und konzentrieren die Übungen umso mehr und machen uns immer mehr auf uns selbst aufmerksam. Sind wir uns einmal bewusst geworden, dass jede Melodie einen eigenen Rhythmus hat, der eine bestimmte Wirkung in uns auslöst, dann finden oder erfinden wir auch zu jeder Melodie oder jedem Lied, das uns zusagt, eine besonders geeignete Drüsenübung und werden uns schon beim Anschlagen des ersten Tones einer Melodie bewusst, welche Bewegungen dazu passen, damit die besten Wirkungen auf die Drüsen erzielt werden.

Es handelt sich also nicht so sehr darum, ob wir diese oder jene Melodie verwenden, sondern darum, dass wir uns bei jeder Übung oder Bewegung des Tones bewusst sind, damit die Tonschwingungen die Zellen so in Bewegung versetzen, dass der Körper innerlich geradezu Wellen schlägt und wir das Gefühl bekommen, als wären wir ein Meer mit einem Unter- und einem Ober-Wellengang, wobei die Wellen von außen nach innen und von innen nach außen gehen.

Die Wellen, die nach dem Herzen zu gehen, heben dann scheinbar den Körper nach der linken Seite, obwohl dies äußerlich nicht zu sehen ist. Aber die Ätherwellen, die durch den Körper ziehen, rufen dieses Gefühl der Erhebung oder Erhobenheit hervor, als ob sich die Materie vergeistige oder mit dem Geiste verschmelze. Wir sehen dann alles viel klarer, als wären die Augen besser geworden, und alles erscheint uns in einem besseren Licht. Wir fühlen und sehen schließlich sogar die Ausstrahlungen des Wesens, knüpfen dadurch neue Verbindungen und Beziehungen und erweitern unsere Erkenntnis.

Um uns das an einem Beispiel zu beweisen, wählen wir uns die Melodie „Hab’ Sonne im Herzen“ und finden, dass dazu sehr gut Handbewegungen passen. Zuerst machen wir eine volle, aber sehr einfache Doppelbewegung. Dann schlagen wir die Hände über dem Herzen übereinander, legen die Daumen aneinander und drücken sie im Rhythmus der Melodie auf den oberen Teil des Herzens. Infolge dieses Druckes vibrieren die Hände, die Brust, schließlich auch die Stimme und schon bei der dritten Wiederholung der Melodie der ganze Körper innerlich. Diese inneren Schwingungen erweitern sich, wenn wir täglich mehrmals üben, allmählich so, dass schon beim Niederdrücken der Daumen unser inneres Wesen vollständig vibriert und nach und nach die Gehirnintelligenzen erweckt werden, wodurch die Voraussetzung für erweiterte Tätigkeit des Zellenwesens geschaffen wird.

Summen wir die Melodie, dann erhöhen sich die inneren Schwingungen um so mehr und um so mehr werden wir uns der Verbindungen zwischen Gesinn, Seele, Geist und Gottesfunken oder Gotteslicht, diesen vier Dimensionen der Unendlichkeit, gewahr und können nun durch den Überbrückungszustand der vierten Herzkammer in unser innerstes Wesen eingehen und das individuelle Prinzip des menschlichen und des göttlichen Wesens, was dasselbe ist, erkennen. Nur auf dem Weg der abstrakten Erkenntnis und nicht der materiellen, sinnesmäßig begrenzten Kenntnis werden wir uns unseres ewigen Wesens bewusst, das sich mit der Gottheit gleichsteht, und dieser Weg führt über das Gesinn, die Seele, den Geist und den Gottesfunken oder das Gotteslicht. Das ist ja das Ziel des Menschenlebens.

Diese Bedeutung und Wirkung des Tones ist den Weisen seit Jahrtausenden bekannt und daher kommt es, dass man seit Tausenden von Jahren bei den Zusammenkünften den Gesang pflegte. Der Leiter erklärte zunächst die verschiedenen Weisen oder Melodien, dann sang man sie und schließlich setzte man verschiedene Bewegungen hinzu, wodurch so manche große Offenbarung wurde.

Wir wissen es ja auch alle aus eigener Erfahrung, dass uns das Innere zu gewissen Zeiten drängt, zu singen, zu summen, zu pfeifen, einen Spruch oder ein Gebet zu sprechen, also die Stimmbänder für Tonschwingungen in Bewegung zu setzen, und dass uns dann kernige Gedanken kommen, die uns etwas klären, was wir vielleicht schon jahrelang nicht entschleiern konnten. Wenn uns das zu gewissen Zeiten durch einen Naturdrang werden kann, um wieviel mehr können wir dann erreichen, wenn wir es bewusst und zielbewusst tun, also z. B. in Verbindung mit einer uns besonders zusagenden Melodie die Brustbeindrüse vibrieren.

Fast unmittelbar danach fühlen wir, dass Ungewissheit, Zweifel, Furcht, Angst zurücktreten und ein Gefühl der Ruhe, Sicherheit, Freudigkeit, des Glaubens und der Zuversicht hervortritt. Wir stellen uns wieder positiv zu den Dingen des Alltags ein, weil wir mehr und mehr erkennen, dass alles, was ist und was geschieht, auf den Gesetzen der Natur und den Prinzipien der Unendlichkeit beruht.

Erzeugen wir die Tonschwingungen zu unseren Übungen selbst, so wirken sie besser als die Schwingungen, die mit Instrumenten erzeugt werden. Denn die menschliche Stimme ist durchdringender als irgendwelche Musik, die vorübergehend, aber nicht durchdringend ist. Die menschliche Stimme erzeugt lebendige Schwingungen, die Musik nur künstliche. Die menschliche Stimme ist originell und alles andere ist nur Nachahmung. Je innerlicher, gefühlvoller, ausdrucksvoller oder geistreicher der Gesang ist, um so mehr belebt er. Wenn wir singen oder ein anderer für uns singt, dann werden wir immer entspannter, gelassener, ergebener. Bei Instrumentalmusik dagegen müssen wir spannen, die Ohren spitzen, um den Tönen zu folgen.

Besonders auffällig ist das bei Musik aus dem Lautsprecher; mit der Länge der Zeit macht sie nervös, so dass früher oder später der Tag kommt, da man sie nicht mehr hören mag, sie nicht mehr erträgt und sich nach lebendigen Tönen sehnt, die die menschliche Stimme oder wenigstens die menschliche Hand vermittels eines Instrumentes hervorbringt. Das Lebendige ist das Durchdringende. Es geht nichts über die menschliche Stimme oder die menschliche Hand, wenn sie uns das Talent der Musik vermitteln. Selbst das beste Radio steht gegenüber der menschlichen Stimme im Schatten.

Zunächst kommt es auch nicht darauf an, ob wir eine besonders gute Stimme haben. Denn wenn wir sie üben in Verbindung mit den Drüsenübungen, verbessert sie sich nach und nach von selbst. Wir merken auch sehr bald, dass sich mit der Verbesserung unserer Stimme unser Gesundheitszustand bessert, weil sich die Organe belebt haben. Es ist eine bekannte Tatsache, dass 87 Prozent aller Sänger gesund sind, weil die vermehrten Schwingungen, die an den Stimmbändern entlang laufen und alle Zellen und Organe erreichen, das Blutlaufsystem und auch das Nervensystem beleben. Infolgedessen erweitert sich Leukokytos, das magnetische Feld im Blut, die Nervenknoten erzeugen mehr Nervenfluidum als beim Durchschnittsmenschen und die Drüsen erzeugen mehr neue Elementar- und Ätherstoffe, die Abwehrkräfte des Körpers erstarken und die geistige Leistungsfähigkeit erweitert sich.

Wer singt und seine Gesundheit und geistige Leistungsfähigkeit nicht erweitert, singt nach einer falschen Methode, die für sein Temperament nicht passt, so dass er durch das Singen in Spannung gerät, wie es bei den meisten geschieht, die nach der italienischen Methode singen, die nicht natürlich und daher nicht für alle Temperamente brauchbar ist. Nur wenige können die italienische Methode für eine gewisse Zeit verwenden, ohne Schaden zu nehmen, gehen aber früher oder später von selbst von der übertriebenen Höhe der Vibrationen ab, weil sie sich bewusst werden, dass sie dadurch in Spannung gekommen sind. Wir singen aber gerade zu dem Zweck, um uns mehr und mehr zu entspannen und dadurch feinere Kräfte zu wecken, die uns eine höhere Macht erkennen lassen, die den menschlichen Körper in göttlicher Art und Weise leiten und lenken will.

Jeder von uns sollte also singen, aber in ganz natürlicher Weise. Es ist besser, wir haben eine natürliche, wenn auch ungeschulte Stimme, weil wir mit unserer eigenen Stimme in jedem Fall viel Gutes für uns selbst erzielen, wenn nur unser Gedanke ganz und gar bei dem Gesang ist. Denn die Drüsen reagieren auf unseren Gesang nur, wenn wir bedachtsam singen.

Deshalb sind auch die Drüsenübungen eine individuelle Angelegenheit. Wir müssen jede Bewegung, die wir machen, mit dem Gedanken begleiten und dazu muss der Körper ganz entspannt sein. Wir dürfen kein Gewicht des ganzen Körpers an irgendeiner Stelle fühlen. Die Brust bleibt gehoben, die Schultern lassen wir hängen und halten sie eher leicht zurückgezogen, aber doch ganz entspannt, und dann atmen wir aufholend und ausholend, so dass der Atem den ganzen Körper mit neuem Leben durchwirkt und in den Rhythmus des Alls einschwingen lässt.

Die durch die Drüsenübungen äußerlich hervorgerufenen Schwingungen übermitteln sich bei Entspanntheit, Gelassenheit und Ergebenheit nach innen und die Tonschwingungen erhöhen sie, so dass das Drüsenwesen regsamer und das Intelligenzwesen für ein höheres Streben geweckt und wir uns bewusst werden, dass wir „Tempel des heiligen Geistes Gottes“ sind, wie es der Heiland ausdrückte.


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"Ha nem vagyunk harmóniában, összhangban a természettörvények rezgéseivel, avagy a saját gondolathullámainkkal, akkor nyugtalanok vagyunk, vagyis rövidlélegzetûek, túl sok szénsavat és más idegen anyagokat tartunk vissza magunkban, melyektõl nekünk meg kellett volna szabadulnunk."
Dr. O.Z.A. Hanish