Ton-Lenkung. Fünfte Harmonie-Übung

Inzwischen haben uns die Harmonie-Übungen schon sehr gefördert. Wir begreifen nicht nur vieles, was wir früher nicht begriffen haben, sondern zeigen auch großes Interesse dafür und fühlen uns getrieben, unsere Kenntnisse und unsere Erkenntnis zu erweitern. Wir haben einen tiefen Einblick in Dinge bekommen, von denen wir noch nicht einmal geträumt hatten. Dem Sprechen, Singen, Summen, Pfeifen, Seufzen hatten wir seither keinen oder kaum einen Gedanken geschenkt und jetzt sind wir es uns schon bewusst geworden, dass uns unser Körperinstrument in jeder Richtung dient, in die wir unseren Gedanken lenken und dass wir uns selbst gegenüber zu unserm Schöpfer werden, wenn wir unser Körperinstrument stimmen und gestimmt erhalten.

Es ist nur eine Frage der Zeit, dann muss die Entfaltung zu Tage treten und sichtbar werden. Denn die Natur zaubert nicht, sondern wirkt gesetzmäßig, indem sie harmonische Verbindungen herstellt. Sie wünscht, dass wir sie begreifen und schätzen, und bietet uns ihre Hilfe in allen nur denkbaren Richtungen an. Deshalb ist das menschliche Wesen geradezu zu einem Spiegel geworden, in dem sich die ganze Natur und das ganze Weltall abspiegeln, so dass der Mensch sich nur selbst zu betrachten und zu erkennen braucht, um alles zu begreifen, was in das Bereich der Natur und des Weltalles gehört; es kann ihm also nichts vorenthalten werden.

Nimm aber einen Spiegel, in dem du alles Abgespiegelte sehen kannst, und lege einen Schleier darüber oder beseitige die silberglänzende Rückseite und sofort werden die Abspiegelungen undeutlich oder sie verschwinden vollständig. Wir wissen, dass uns ein gewöhnliches Stück Glas kein Spiegelbild liefert, wie wir es wünschen. Hängen wir aber ein Tuch hinter das Glas, dann liefert es uns schon ein gewisses Spiegelbild, das uns aber noch nicht befriedigt. Beschichten wir die Rückseite des Glases mit Silber, dann verbessert sich die Abspiegelungskraft und je blanker wir den Belag auf der Rückseite machen und je mehr wir das Glas selbst verfeinern, um so besser, getreuer, sprechender, lebendiger wird das Spiegelbild. Die auf der Rückseite des Glases befindliche Substanz bestimmt die Art und den Grad der Verbindung mit den sich abspiegelnden Gegenständen.

Genauso ist es mit dem Menschen; er kann ein getreues Spiegelbild der Natur und des Weltalles mit allem, was darinnen ist, nur insoweit geben, als er selbst der bestdenkbare Spiegel ist. Dies kann er aber nur erreichen, indem er sein ganzes Wesen so stimmt, bis alle Zellen schwingen und sich ihrer Aufgabe und Wirksamkeit bewusst sind. Deshalb kann der unkultivierte Wilde die Wahrheit der Dinge nicht völlig fühlen und erkennen, weil er nicht gelernt hat, aus seinem Körper einen vollkommenen Spiegel zu machen.

Der Unkultivierte kann das Wesen der Dinge nur stück- oder strichweise erkennen, wie man die Dinge in einem Spiegel sieht, dessen rückwärtige Schicht nur stück- oder strichweise blank ist. Er sieht die Abspiegelungen nicht als ein Ganzes, sondern nur in unzusammenhängenden Teilen und weiß deshalb auch nicht, dass er ein unvollständiges Spiegelbild vor sich hat.

Diesen Zustand der Unkultivierten haben unmoralische Charaktere seit unvordenklichen Zeiten dazu benutzt, sich dadurch einen Gewinn zu verschaffen, dass sie sich anheischig machten, den Unkultivierten durch Hypnose, Meditation und ähnliche „übernatürliche“ Mittel zu einer höheren Erkenntnis der Dinge zu verhelfen. Dabei wurden aber in Wirklichkeit nur durch eine Flut von Worten und halb oder ganz mißverstandenen Ausdrücken einseitige Schwingungen im Gehirn hervorgerufen, die das Denkenswesen im Stirnhirn schwächten oder ganz ausschalteten und dafür das spirituelle Scheitelhirn überreizten und das sogenannte „unterbewusste“ Denken auslösten, das weiter nichts als reine Phantasie oder Einbildung, in wissenschaftliche Ausdrücke gekleidet, ist.

Solche hypnotisierte „Erleuchtete“ begreifen nicht, dass alle Verbindungen in der Natur und im Weltall zwischen den Dingen und Wesen eine harmonisch schwingende Saite zwischen ihnen voraussetzen. Wird diese schwingende Saite getrennt, gelöst, zerschnitten oder sonstwie ihrer Schwingungen entkleidet, dann können auch keine Licht, Erleuchtung oder Ton erzeugenden Schwingungen vor sich gehen. Wenn wir in einem Piano eine Saite durchschneiden, können wir noch so stark auf die Taste schlagen, werden aber keinen Ton der Saite zu hören bekommen.

Deshalb wendet sich die Harmonie-Kunde an den kultivierten Menschen, zeigt ihm den Weg, seine inneren Kräfte zu gebrauchen und zu lenken, und macht ihn auf das Gesetz aufmerksam, das diese kontrolliert. Diese Kräfte müssen systematisch und Schritt für Schritt entwickelt werden. Zuerst bezielen die Harmonie-Übungen deshalb die Kontrolle der Gesichtsmuskeln durch die Vokal- und Tonschwingungen, damit zunächst das ganze Gesicht und das Denkenswesen hinter der Stirnmitte in harmonische Verbindung kommen.

Sobald wir das Gehirn und das Gesicht als das Ausdrucksmittel des Gehirnes mit unserem Willen bewusst kontrollieren können und das Denkenswesen hinter der Stirnmitte imstande ist, die feineren Schattierungen seiner Schwingungen mit Hilfe der Gesichtsmuskeln zu äußern, dann erreichen diese feineren Schwingungen das Gesinn in der Zirbel und von da das Rückenmark und wecken die psychischen oder Seelenkräfte.

Die geweckten Seelenkräfte wiederum wirken auf das Herz, erschließen dessen Kammern und machen sich empfänglich für die Schwingungen des Geisteszustandes. Die Geisteskräfte werden sich der Seelen-, Gesinnes- und Gehirnkräfte bewusst, lenken sie nach ihrem Willen und wecken durch ihre Betätigung die noch feineren Kräfte, die Gedankenkräfte, die alle schöpferischen Kräfte einschließen, bis schließlich die vollkommene Verbindung zwischen allen Kräften der Natur, des Weltalls und der Unendlichkeit hergestellt ist.

So erweitert sich unser Bewusstsein Schritt für Schritt und dabei erkennen wir mehr und mehr, dass die inneren Kräfte und Mächte des Menschen unbegrenzt sind und dass wir nicht aus uns selbst herauszutreten brauchen, um in harmonische Verbindung mit der Außenwelt und ihren Wesen und Dingen zu kommen, sondern dass wir dazu vielmehr einer inneren Entwicklung bedürfen, damit uns die entsprechend verfeinerten Sinne die Erkenntnis der Außenwelt vermitteln. Soweit dann unser inneres Wesen erwacht und sich seiner bewusst wird und dieser Zustand den Dingen der Außenwelt entspricht, steht diese gleich einem Panorama vor uns.

Ein Geisteszustand offenbart sich dem anderen Geisteszustand, ein Gedanke dem anderen Gedanken, eine Seele der anderen Seele, ein Gesinn dem anderen Gesinn, kurz, unsere ganze Innenwelt ist empfindlich für alles, was die Außenwelt innehält. Auf diese Weise entsteht ein Zustand völliger Harmonie zwischen dem Inneren und dem Äußeren bis zum All-Gesinn, der All-Seele, dem All-Geist, dem All-Licht und dem ewigwirkenden, unendlichen All-Gedanken. Alles, was wir dabei zu tun haben, ist, unser Bewusstsein so zu erweitern, dass wir mit uns selbst völlig bekannt werden und die göttliche Natur unseres Wesens erkennen.

Das ist aber nicht erreichbar auf dem Wege, den der sogenannte Okkultismus mit all seinen äußerlichen Praktiken einschlägt, weil er nur diese oder jene Fähigkeit einseitig auf Kosten anderer Fähigkeiten entwickelt und sich dabei soweit verliert, dass er das Körperliche überhaupt verneint. Aber der Körper ist das Instrument, das dem wichtigen Zwecke zu dienen hat, das Tiefste mit dem Höchsten zu verbinden und dadurch das natürliche Verlangen nach dem Höheren und Feineren zu befriedigen.

So ist es ja auch mit den Musikinstrumenten. Wir suchen doch nicht das Piano nach der Violine zu stimmen, wenn diese einen halben Ton höher gestimmt ist; sondern wir stimmen die Violine nach dem Piano, weil es das auf breiterer Grundlage eingestimmte und eingestellte Instrument ist. Das gleiche Prinzip gilt für die höheren und feineren Kräfte, die weitere Gebiete oder Reiche beherrschen. Je höher und feiner sie sind, desto weiter reicht ihr Einfluss, desto mehr hängt von ihnen ab, desto sicherer und bestimmter müssen sie ihr Ziel verfolgen, um ihre Aufgabe im ewigen Entwicklungsplane zu erfüllen.

Deshalb kann und muss sich das Niedere auf das Höhere einstimmen, bis unser ganzes Wesen gehoben und erhoben und jede Körperzelle sich ihrer selbst bewusst und für das Höhere empfänglich geworden ist. Auf diese Weise wird schließlich sogar jede Faser unseres Körpers gefühlvoll und selbstbewusst und setzt ihre Kräfte verständig ein, so dass ein Widerstreit der Kräfte unmöglich wird.

Haben wir einmal die vollständige Verbindung zwischen unserem inneren Wesen und der Außenwelt hergestellt, dann können wir uns mit irgend etwas in Verbindung setzen und zur Erkenntnis der Wahrheit oder des Wesens des Dinges kommen. Haben wir den Wert und die Bedeutung der Vokale innerhalb der Tonleiter unseres Wesens erkannt, dann können wir alles richtig einordnen, verstehen und begreifen, was auf uns zukommt, sei es ein menschliches Wesen, irgendein Geschöpf oder Gegenstand, ohne dass uns dabei ein Irrtum unterläuft, weil unser Intelligenzwesen oder unser Denkvermögen vollkommen im Einklang mit der unendlichen Intelligenz oder dem ewigen Allgedanken ist.

Anfänglich kann der Mensch nur die Unterschiede in der Welt der Erscheinung oder in der Natur vermittels der objektiven, nach außen gerichteten Sinne erkennen. Die feineren Sinne, die nach innen gerichtet sind, dienen ihm erst allmählich im Laufe der Entwicklung, des Wachstums, der Entfaltung und der Reife. Deshalb kann auch der unkultivierte Wilde die höheren Töne und Tonverbindungen nicht begreifen und infolgedessen nicht so denken wie der kultivierte Mensch.

Als kultivierte Menschen fühlen wir die Geistesverwandtschaft mit anderen auf den ersten Blick und wie oft befinden wir uns in der Öffentlichkeit unter Menschen, die uns nicht geistesverwandt sind, weil sie auf einem anderen Ton eingestellt sind wie wir. Es liegt dann an uns, nach dem Gesetz der Entsprechung die Ausgleichung oder Harmonie herbeizuführen. Selbst wenn wir so gereizt sein würden, dass wir wie ein wildes Tier alles in Stücke zerreißen könnten, müssen wir imstande sein, mit dem nächsten Atemzuge zu lächeln. Harmonie bedeutet Polarisation und Ausgleichung zweier Gegensätze, Positiv und Negativ, Sichtbar und Unsichtbar, Natürlich und Übernatürlich, Schöpfung und Gegenschöpfung, Prinzip und Entsprechung. Eine Familie, die aus lauter prächtigen, geistig begabten Menschen besteht, ist als Ganzes unharmonisch; weil alle in demselben Tone schwingen, entsteht Eintönigkeit, die auf die Nerven fällt und gereizte Stimmung erzeugt. Verständigerweise wird man also die Zusammensetzung des Familienkreises ändern.

Sogar der Gedankengänge anderer können wir uns bewusst werden, wenn wir das wollen, weil jeder Gedankengang auf einer Tonschwingung beruht. Mag ein Ton, der uns erreicht, auch so hoch sein, dass unser Gehör ihn nicht mehr wahrnehmen kann, so hat er doch auch eine entsprechende Tiefe und tritt in unser Hörbereich, sobald er abwärts geht, so dass wir ihn in jedem Falle mit dem inneren Ohr oder dem feineren Gehör wahrnehmen und uns den auf den Tonwellen getragenen Gedanken bewusst machen können.

Ebenso kann das, was das äußere Auge nicht sieht, vom inneren Auge, das man deshalb das „Auge des Allmächtigen“ nennt, ergänzt werden, so dass die volle Übereinstimmung zustande kommt oder das vollkommene Bild vor unserem Auge steht. Wir werden sogar lernen, die Schwingungen der einzelnen Fleischeszellen zu sehen, weil alles in unser Auge reflektiert.

Der Baum spiegelt sich in unserem Auge ab und unser eigenes Intelligenzwesen oder Denkvermögen erzählt uns seine ganze Geschichte. Wir können uns vermittels des inneren Auges in den inneren Kammern der Erde so gut auskennen wie in unserem Kämmerlein, und zwar nicht auf übernatürlichem Wege, sondern vermöge unseres Intelligenzwesens oder Denkvermögens, das in Verbindung mit dem Gesinn in der Zirbel und dadurch mit dem All-Gesinn steht.

Die Schwingungen der Luft und des Wassers, die spiral- oder schraubenförmig aufwärts und abwärts verlaufen, nehmen wir mit unseren äußerlichen, objektiven Sinnen nicht wahr, bis sie eine gewisse Stärke, Höhe oder Tiefe erreichen. Dann fühlen wir einen Zug oder Sog, sehen ihn aber nicht. Wenn die Schwingungen noch stärker werden, nehmen sie die Formen eines Orkanes oder einer Sturmflut an, aber die dahinterstehenden Naturkräfte bleiben für uns unsichtbar. Trotzdem haben uns die organischen Intelligenzen durch den Gefühlssinn gewarnt, dass uns eine Gefahr droht und entsprechende Gesetze zu unserem Selbstschutze zu beachten sind. Wir werden also liebevoll geführt von der All-Intelligenz, die mit unserem Intelligenzwesen in harmonischer Verbindung steht. Dadurch erweitert sich unsere Erkenntnis der Gesetze, die für das Weltall maßgebend sind.

Gewisse Ereignisse können unseren Gefühlssinn so in Schwingung versetzen, dass unser Inneres förmlich aufgewühlt wird; wir jauchzen vor Freude, sind zu Tränen gerührt oder geraten in einen Zustand der Verzückung oder Ekstase oder eine ähnliche Gemütserregung, wofür niemand in unserer Umgebung das rechte Verständnis hat; wir selbst aber fühlen und erkennen es nach und nach, dass solche Gemütserregungen notwendig sind, damit unser Herz Verbindung mit dem Herzen anderer Menschen, der Erde, des Weltalls und der Gottheit selbst erlangt.

Der unentwickelte Mensch wird sich bei heftigen Gemütserregungen vermittels irgendwelcher Laute oder Töne, die sich überall in der Natur finden, einen Ausgleich schaffen; er schluchzt, seufzt, stöhnt, schreit, schreit sogar wie ein „Wahnsinniger“ und setzt dadurch sein ganzes Körperwesen so in Schwingung, dass die innere Erregung abklingt und die normale Körperverfassung wieder hergestellt wird. Aber der entwickelte, kultivierte Mensch, der die bewusste Kontrolle über die feineren Gedankenkräfte hat, kann durch die Lenkung dieser Gedankenkräfte die Schwingungen selbst der höchsten Gemütserregung in einem Augenblick so dämpfen und abklingen lassen, dass niemand in seiner Umgebung die geringste Erregung an der Oberfläche oder äußerlich erkennen kann. Innerlich mögen sich alle Zellen noch in lebhafter Schwingung befinden und darin verbleiben; aber nach außen erscheint die Person völlig ruhig und gefasst. Unsere ganze Umgebung mag weinen und schluchzen, ja, wir mögen mitten unter Weinenden stehen, so dürfen wir doch nicht für einen Augenblick die Kontrolle über unsere inneren Gedankenkräfte verlieren. Niemand darf sehen, dass wir bewegt sind, obwohl unser Inneres bewegt ist, nur auf einer höheren Ebene oder in einer höheren Oktave als unsere Umgebung.

Durch unsere Stellung als denkende Menschen sind wir imstande, unsere Gedankenkräfte oder die feineren Kräfte unseres Intelligenzwesens oder Denkvermögens zu übertragen, sei es auf andere Menschen, andere Geschöpfe, Tiere oder Gegenstände unserer Umgebung, der Natur oder des Weltalls, und am Ziel der Gedankenübertragung wird ein Erfolg gezeitigt. Wenn wir wollen, wirken unsere Gedankenkräfte sogar so stark, dass wir einen Freund benachrichtigen können, dass ihm eine Gefahr droht. Schenken wir Tieren oder Pflanzen unseren Gedanken oder unsere Aufmerksamkeit und damit unsere Anerkennung, dann nehmen sie diese Anerkennung wahr und antworten entsprechend, weil jede Anerkennung einen Erfolg auslöst.

Wenn wir uns mit dem Tierreiche mehr vertraut machen, werden uns die Tiere als Dank für unsere Anerkennung vieles offenbaren. Beobachte die Schlangen, wie sie ihre Giftzähne ausstrecken, und sprich zu ihnen! Sprichst du zu ihnen, dass sie dich nicht verstehen, dann lassen sie ihre Giftzähne herausschießen. Sprichst du aber so zu ihnen, dass sie dich verstehen, dann ziehen sie ihre Giftzähne in die Mitte des Rachens oder in Ruhestellung zurück, und sie würden dir nichts zuleide tun, wenn sie sich in Freiheit befänden.

Schenke einer Katze oder einem Hunde deine Aufmerksamkeit, streichle sie hinter den Ohren und gib acht darauf, wie sich die Farbe ihrer Augen verändert. Dann kannst du ihren Gedankengang ablesen. Denn Farben und Töne entsprechen sich. Beobachte den Donner und die Schattierung der Luft dabei. Ein tiefer Ton bedeutet Beherrschung, während ein hoher Ton Aufregung verrät. Bedenke dabei, dass die Tierstimmen einen begrenzten Tonumfang haben, dass aber die menschliche Stimme unbegrenzt ist.

Das veranlaßt uns, auch beim Menschen auf die Regenbogenhaut zu achten, und wir lernen dann verstehen, warum die Augen des Menschen die „Fenster der Seele“ genannt werden. Achte auf die Linien der Regenbogenhaut. Wenn sie wellenartig erscheinen, dann zeigt es an, dass man sich mit Sorgen abquält. Sind die Linien gerade, dann weist das auf eine glückliche Gemütsverfassung hin.

Sogar den Steinen, besonders den Edelsteinen, sollten wir unsere Aufmerksamkeit schenken, damit sie uns ihr Wesen und ihre Lebensgeschichte offenbaren.

Wenn wir die Tiere beobachten, finden wir, dass sie alle über etwas nachdenken, und wenn wir ihren Lippen- und Gesichtsbewegungen folgen, merken wir, welchen Vokal sie dabei ausdrücken wollen, können uns dessen Bedeutung sofort erklären und diese in unsere Vokalreihe einordnen; dann wissen wir, worüber das Tier nachdenkt. Es ist interessant, durch einen Tiergarten zu gehen und darauf zu achten, wie sich die Tiere drehen und wenden und ihr Leid klagen; aber kein Besucher versteht ihre Sprache.

Stelle dich eine Weile vor ihren Käfig, beobachte, was ihre Lippen- und Gesichtsbewegungen zum Ausdruck bringen, und antworte ihnen in ihrer Sprache. Du wirst überrascht sein über die Veränderung, die sogleich in den Tieren vor sich geht. Sie werden ganz glücklich sein, wenigstens ein Wesen gefunden zu haben, mit dem sie sprechen können. Sie möchten geradezu ihre Pfote ausstrecken und dich liebkosen, wenn sie aus ihrem Käfig herauskönnten, und wenn sie herauskämen, wie glücklich würden sie in deiner Gesellschaft sein, weil du ihre Sprache sprechen kannst und sie verstehst! Sie würden dich auch nicht verletzen.

Das gilt für das ganze Tierreich und je weiter wir hinuntersteigen auf der Entwicklungsleiter, um so leichter können wir in harmonische Verbindung mit den Dingen kommen, die wir in ihrem Wesen begreifen wollen. Möchten wir mit Dingen und Wesen in Verbindung kommen, die auf einer höheren Entwicklungsstufe als wir stehen, dann müssen wir größere Anstrengungen machen und mehr Verständnis aufbringen, um die Verbindungsmöglichkeiten zu erkennen und die Verbindung herzustellen.

Steigen wir dagegen abwärts auf der Entwicklungsleiter, dann genügt es, dass wir uns selbst in einen harmonischen Zustand versetzen, um unmittelbare Verbindung mit dem Vorhandenen zu bekommen. Studieren wir so das Pflanzenwesen, dann erschließt sich uns auch alles, was die Erde oder das Planetenwesen betrifft, vermöge der tieferen, geschlossenen Töne und der gröberen Elemente.

Das gibt uns auch den Schlüssel dafür, warum die alten europäischen Kirchen einen viel weihevolleren Eindruck auf uns machen als die modernen Kirchen. Auf die alten europäischen Kirchen haben sich die religiösen Gedanken der Gläubigen jahrhundertelang konzentriert und der Heilige Geist hatte sie getrieben, vor den Altären zu knien und ihre innigen, tiefempfundenen Gebete in der Zuversicht, erhört zu werden, zu verrichten. Inzwischen haben die Zeitenläufe diesen Heiligen Geist entführt, so dass die modernen Kirchen heute nur noch Erinnerungsstätten sind, in denen die Symbole vergangener Zeiten veräußerlicht dargestellt werden, die aber den Geist der Symbole nicht festgehalten haben und ihn auch nicht wieder aufleben lassen können, solange den Besuchern der dazu notwendige Erkenntnisgrad fehlt.

Die Pilger, die einst in das „heilige Land“ pilgerten, die Steine in gläubiger Demut küßten, auf denen die Heiligen oder Propheten ihres Bekenntnisses gestanden oder gelitten hatten, und sich all den anderen religiösen Verrichtungen gottergeben unterzogen, ernteten Erfolg von ihrer Pilgerfahrt durch ihren eigenen konzentrierten Gedanken und durch die Gedankenkonzentration ganzer Zeitalter und Geschlechter, die sie im „heiligen Lande“ umgab.

Ähnlich ist es mit den Pyramiden, die jahrtausendelang von den Gedanken der Mitwelt und den willig sich fügenden Kräften des Elementarreiches zusammengehalten und erhalten wurden. Jetzt aber werden sie sozusagen ausgepreßt und gelten nur noch als Denkmäler der Geschichte und Überlieferung. Sie haben ihren Zweck erfüllt und sind dem Verfall preisgegeben.

Ebenso ist es mit unserem Körper. Wenn er seinen Zweck erfüllt und der Gedanke des Lebens sich daraus zurückgezogen hat, schwindet er dahin und tritt in das Elementarreich zurück, aus dessen Bestandteilen er zusammengefügt worden war. Wenn wir ihn zu erhalten wünschen, müssen wir ihm unsere Aufmerksamkeit oder unseren Gedanken schenken, seinen Wert erkennen und anerkennen und darauf bedacht sein, seinen Wert zu erhöhen oder ihn zu verfeinern oder zu vervollkommnen, wie es den Gesetzen der Natur und den Prinzipien der Unendlichkeit entspricht, was uns wieder an unsere Vokalübungen mahnt.

Ein Geschenk ist nur von Wert, wenn der Herzgedanke des Schenkers mit ihm geht. Wie teuer ist uns selbst ein alltäglicher Gegenstand, wenn der Schenker damit seine Seelenverbundenheit bekundet! Selbst das kostbarste Geschenk berührt uns nicht, wenn der Schenker damit nur seinen Reichtum zur Schau stellen wollte.

Wir sollten besonders achtgeben auf den ersten Gegenstand, den wir des Morgens sehen, und dann der Reihe nach auf die nächsten Gegenstände. Dann sollten wir uns die Reihenfolge in Gedanken einige Male wiederholen, um unser Gedächtnis zu stärken. Dadurch wird sich uns manches Geheimnis enthüllen und wir sollten klug genug sein, persönliche Geheimnisse nicht wegzugeben, sondern sollten sie für uns behalten.

Die Vokalübungen machen uns gefühlvoll, aber nicht nervös. Nervosität ist eine Krankheit, an der die meisten Menschen leiden; entweder leiden sie an Wassersucht oder an Auszehrung. Wir können alles wissen und zugleich gefühlvoll sein. Wir können kranke Körperteile daran erkennen, dass sie unempfindlich sind für den Ton, und daher sogar Krankheiten in anderen feststellen, indem wir mit ihnen singen und auf die Körperteile achten, die von den Tönen nicht berührt werden.

Alles hängt von unserer Selbstkontrolle ab, die wir mehr und mehr erlangen, wenn wir die Harmonie-Übungen getreulich und bedachtsam vollziehen, entsprechend unserem Temperament und unserem jeweiligen Entwicklungszustande. Je mehr wir lernen, innerwärts zu lauschen und die Tonschwingungen, die beständig auf uns zukommen, und ihre Wirkung einzuordnen, um so rascher machen wir Fortschritte. Es gibt auch beständig Schwingungen zwischen Gehirn und Rückenmark, die aufwärts und abwärts steigen. Bei geistigen Störungen sind diese Beziehungen zwischen Gehirn und Rückenmark unterbrochen, lassen sich aber sozusagen durch Hinaussingen der Störungen oder durch Tonschwingungen wieder herstellen. Das mag uns veranlassen, auch den ägyptischen Übungen mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Deshalb weicht auch geistiger Druck, der sich im Gehirn spüren lässt, vor den Tonschwingungen des Gesanges zurück, weil der Gesang vermittels der Kontrolle der Gesichts- und Halsmuskeln das Denkenswesen hinter der Stirnmitte belebt und weil gleichzeitig die Bewegungen der Stimmbänder die Herztätigkeit anregen. Das wird besonders deutlich, wenn wir die Vokale mit weitgeöffnetem Munde aussingen, also ohne den Mund dabei zu schließen, und wenn dabei die Zunge unbeweglich am Mundboden liegenbleibt. Die geheimnisvolle Wirkung des Gesanges kommt daher, dass die Schwingungen der Stimmbänder den Gedankenkräften im Herzen den Weg freimachen und ihnen Ausdruck verleihen.

Mit offenem Munde erhält man den reinen Ton. Das Summen ergibt den inneren Ton, der uns hilft die Oberhand zu behalten. Geschlossene Töne werden erst dadurch hörbar, dass eine Berührung mit etwas Gegenständlichem stattfindet; so können z.B. die Blätter des Baumes ihren Ton nur von sich geben, wenn der Wind mit ihnen spielt. Offene Töne werden hörbar, ohne einen anderen Gegenstand nötig zu haben. Töne, die mit geschlossenen Backenzähnen gegeben werden, lassen erkennen, ob wir in Gefahr sind oder mit Grausamkeiten rechnen müssen, wie bei einem Löwen oder Tiger. Die Hyäne reibt ihre Zähne aufeinander und macht viel Lärm, ist aber feige. Die meisten Hunde setzen ihre Vorderzähne aufeinander und mögen nach uns schnappen; aber weiter gehen sie nicht. Nur Hunde, die ihre Backenzähne aufeinandersetzen, sind wirklich gefährlich. Töne aus der Tiefe der Erde setzen das Stirnhirn in Schwingung; Töne der Erdoberfläche berühren das Scheitelhirn. Unwürdige und gemeine Töne berühren die Gegend hinter den Ohren. Töne und Vokale können sowohl aufbauend, als auch zerstörend gebraucht werden. Die Gedankenrichtung gibt den Ausschlag. Übe die beiden Vokale E und U, um die beiden Gegensätze klar unterscheiden zu lernen!

Sogar wenn wir summen, sollten wir uns der unterschiedlichen Bedeutung und Mundstellungen bewusst sein, sollten diese in Gedanken formen und versuchen, den Lippen entsprechende Stellungen zu geben. Dasselbe gilt, wenn wir die Schneidezähne, die Backenzähne oder die Eckzähne aufeinander setzen.

Untersuchen wir irgendwelche Dinge, dann müssen wir die Augen und die Ohren zu Hilfe nehmen. Werden wir dabei mit dem Geist der Dinge verbunden, dann sprechen sie zu uns und inspirieren uns. Untersuchen wir Naturgegenstände, dann setzen wir nicht das spirituelle Scheitelhirn ein, damit nicht die Einbildung oder Phantasie ins Spiel kommt, sondern nehmen unser Begriffsvermögen zu Hilfe, das in der materiellen Gehirngruppe zwischen den Augenbrauen liegt. Streifen wir durch Wald und Feld, dann sollten wir der Natur unseren Gedanken widmen, sollten Kräuter und zarte Rinden als Mahlzeit nehmen und dazu eine Handvoll Kartoffelchips, die wir uns eingesteckt hatten. Schlürfen wir des Morgens die Tautropfen von den Blättern, dann erhalten wir uns jugendlich; es muss aber vor Sonnenaufgang geschehen und auch das erfordert schon die Lenkung unserer Gedankenkräfte.

Konzentrieren wir unseren Gedanken auf irdische Dinge, dann lenken wir den Blick auf die Nasenspitze; konzentrieren wir uns auf hohe, erhabene Dinge, dann richten wir den Blick nach oben und der Stirnmitte, hinter der das Denkenswesen seinen Sitz hat. Das ist eins der Geheimnisse, die uns beim Singen und Sprechen eine große Hilfe sind, weil die Gedankenkräfte dadurch immer regsamer werden. Wenn wir mit geschlossenen Augen beten, werden wir negativ.

Wenn wir öffentlich singen oder sprechen, wird uns unter den Zuhörern meist eine Person auffallen, die uns nicht sympathisch ist. Dann sollten wir gleichsam für sie singen oder sprechen, weil uns das anspornt und positiv macht, diese Person in Übereinstimmung mit uns zu bringen, während wir uns der übrigen Zuhörer sowieso sicher sind; das verbürgt uns den Erfolg.

Alles das verhilft uns rascher zur Erweiterung des Bewusstseins und zu Vorteilen in vielen Beziehungen. Wir steigen dadurch von Stufe zu Stufe zur Selbstkontrolle der feineren Kräfte empor, die im Bereiche des Gesinnes, der Seele, des Geistes, des Gotteslichtes und des Gottgedankens wirksam sind. Wenn wir aber ohne Selbstkontrolle die feineren, geistigen Kräfte, mehr oder weniger unbewusst, gebrauchen, dann sammeln wir in kurzer Zeit unliebsame Erfahrungen.

Erschließen sich uns aber diese geistigen Kräfte als natürliche Folge unserer Entwicklung und unserer Anstrengungen, dann bekommen wir, scheinbar unvermittelt, das Gefühl, als flamme etwas in uns auf, und darauf folgt das, was man Illumination oder Erleuchtung zu nennen pflegt. Wir können dann durch alles hindurchsehen, als hätten unsere Augen X-Strahlen auf die Gegenstände geworfen, können durch feste Gegenstände hindurchsehen und in einem Augenblick erkennen, welche Bewandtnis es mit ihnen hat. Wir sehen, wie das Herz schlägt, wie der Magen arbeitet und eingerichtet ist und wieweit er in Ordnung oder in Unordnung ist, falls solche vorhanden sein sollte.

Wenn eine solche „Illumination“ oder Erleuchtung anfänglich auch nur für einen Augenblick eintritt, beweist sie doch, dass dergleichen möglich ist und dass wir uns daher in einen Zustand der Erleuchtung bringen können, wenn wir entsprechende Anstrengungen machen. Dieser Zustand ist ja nur die Verwirklichung dessen, was wir im stillen wünschten, planten und bezielten, nämlich den Körper so zu beleben, dass die geistigen Kräfte ihn durchdringen und jede Zelle wecken können. Dann wird die lebendige Verbindung von Zelle zu Zelle und zwischen unserem Inneren und der Außenwelt hergestellt und wir können uns irgend etwas, was wir untersuchen oder erforschen wollen, vergegenwärtigen wie in einem Panorama.

Schon der Alte Bund nimmt hierauf Bezug mit dem Bericht, dass Adam alle Tiere an sich vorbeiziehen sah und sie bei ihrem Namen nannte. Das will nur sagen, dass diese vom Schriftsteller „Adam“ oder der „Aufrechte“ genannte Persönlichkeit einen solchen Grad der Erleuchtung erlangt hatte, dass „Adam“, wenn er etwas zu wissen wünschte, es sich nur vermittels seines Gedankens zu vergegenwärtigen brauchte; dann stand es auch schon vor ihm mit allen äußeren und inneren Merkmalen und Eigenschaften, die er in einem einheitlichen Begriff oder einem besonderen Namen zusammenfasste.

Wer einen solchen Erleuchtungszustand erreicht hat, kann sich irgendeinen Gegenstand oder irgendeine Person vergegenwärtigen und alles erfahren und erkennen, was er über den Gegenstand oder die Person zu wissen wünscht. Der Vorgang gleicht der Vereinigung zweier Drähte einer elektrischen Leitung: sobald die Verbindung zwischen den beiden Ausgangsstellen durch die Vereinigung der beiden Drähte hergestellt ist, flammt das elektrische Licht auf. Entsprechend ist es mit der innerlichen Verbindung von Gesinn zu Gesinn, von Seele zu Seele, von Geistestrieb zu Geistestrieb, von Gottesfunken zu Gottesfunken, von Individualität zu Individualität oder von Gedanke zu Gedanke, so dass der Mensch alles in seine Gegenwart ziehen kann, was er nur will.

Aber immer wieder müssen wir bedenken, dass wir das nicht in einem Augenblick erreichen können, sondern dass alles das Zeit erfordert und wir lernen müssen, einen Schritt vor den anderen zu setzen und eine Stufe der Entwicklung nach der anderen zu ersteigen. Alles kommt uns zu „seiner eigenen Zeit“ zu oder sobald die Zeit dafür reif geworden ist. Manche werden rascher sein in der Verwirklichung als andere und manche stehen erst auf der untersten Sprosse der Entwicklungsleiter, während andere schon höher gestiegen sind und nun alles von einem höheren Standpunkt aus betrachten als die unter ihnen Stehenden.

Alles in allem handelt es sich jetzt darum, dass wir lernen, erweiterter, universeller zu denken, und dass wir das persönliche, begrenzte Denken durch höheres, unbegrenztes Denken ersetzen. Ist einmal das universelle und unbegrenzte Denken in uns erwacht, dann erkennen wir in der Zeit das Zeitlose oder die Ewigkeit und in der Räumlichkeit die Unbegrenztheit oder Unendlichkeit, im Minimum das Maximum.

Fünfte Harmonie-Übung

Diese Übung wird uns mehr und mehr die völlige Kontrolle über unser eigenes Wesen vermitteln und uns dadurch die Voraussetzung für immer größere Kontrolle gegenüber unserer Umgebung verschaffen.

1. Stelle dich hinter einen Stuhl mit gerader Rückenlehne und lege die rechte Hand mit offenem Teller und ausgestreckten Fingern auf die Stuhllehne. Dann atme seufzend langsam ein, beuge dabei den ausgestreckten kleinen Finger soweit wie möglich abwärts, während die übrigen Finger ausgestreckt bleiben, und halte den kleinen Finger eine Weile in dieser Stellung. Dann atme langsam aus und führe dabei den kleinen Finger unter der Kontrolle des Willens langsam in seine gestreckte Ausgangsstellung zurück. Erlauben wir dem kleinen Finger, sich schnell aufzurichten, dann verfehlte die Übung ihren Zweck, dem Gedanken die Kontrolle über die Finger zu verschaffen. Dann wiederhole dasselbe mit dem Ringfinger, dem Mittelfinger und dem Zeigefinger der rechten Hand. Dann übe auch den Daumen der rechten Hand in der gleichen Weise, halte ihn aber am längsten abwärts gebeugt und kontrolliere mit dem Gedanken auch sein langsames Aufrichten besonders genau.

2. Dann übe dasselbe mit den einzelnen Fingern und dem Daumen der linken Hand, beginnend mit dem kleinen Finger und abschließend mit dem Daumen. Der Daumen gehört zur Handwurzel; deshalb sprechen wir von vier Fingern und dem Daumen. Die vier Sinne Gesicht, Gehör, Geruch, Geschmack korrespondieren mit dem Zeige-, Mittel-, Ring- und kleinen Finger. Der Zeigefinger mit dem Gesichtssinn und der kleine Finger mit dem Geschmackssinn haben Einfluss auf den Erfolg in geschäftlichen Dingen, der Mittelfinger mit dem Gehörsinn auf den guten Ruf und der Ringfinger mit dem Geruchsinn auf den Betätigungsdrang. Wenn sich der Daumen über mehr als neunzig Grad oder einen rechten Winkel abspreizt, hat man überall gern seine Hand im Spiele.

3. Dann stelle dich mit dem Rücken gegen die Wand, aber ohne dich anzulehnen, breite beide Arme seitwärts aus, so dass die offenen Handteller nach vorn zeigen, und übe dasselbe mit den Fingern und Daumen beider Hände gleichzeitig. Beginne also mit den kleinen Fingern; die Daumen kommen zuletzt daran.

4. Wenn alle Finger wieder ausgestreckt an ihrem Platze sind und die Daumen am offenen Handteller liegen, hebe die Arme und Hände hoch und lasse die Hände auf den Schultern, mit den Handrücken dicht am Halse, ruhen, während die Finger und Daumen freiliegen und nach rückwärts zeigen. Dann übe dasselbe gleichzeitig mit den Fingern und dem Daumen der rechten Hand und den entsprechenden Zehen des rechten Fußes. Also beugt sich zuerst der kleine rechte Finger mit der kleinen rechten Zehe und zuletzt der rechte Daumen mit der rechten großen Zehe. Dann übe dasselbe mit den Fingern und dem Daumen der linken Hand und gleichzeitig mit den entsprechenden Zehen des linken Fußes und schließlich mit den Fingern, Daumen und Zehen beider Hände und Füße gleichzeitig. Kannst du anfangs die Zehen nicht richtig beugen, dann beuge sie wenigstens in Gedanken und allmählich werden sie sich dem Gedanken fügen und sich beugen. Das Ziel der Übung ist ja, dem Gedanken die Kontrolle über die Hände und die Füße zu verschaffen, die unser Körper gleich Fühlern in die Umgebung streckt.

5. Nun üben wir dasselbe wie nach Ziffer 1 bis 4, jedoch in Verbindung mit Vokalen und Tönen, und zwar wählen wir zunächst die Vokalverbindung E-O-U-A oder „Yehoua“ und später die Vokal-Verbindung E-U-I-E-A-I oder „Cherubim-Seraphim“, beide Vokal-Verbindungen mit der Melodie „Yehoua, wir loben dich“, „das erste Mal mit offenem Munde, die folgenden Male mit leicht geschlossenen Schneide-, Backen- und Eck- oder Stockzähnen, dann auch summend und schließlich der Melodie und den Vokalen nur in Gedanken folgend.

Durch diese Übungen gewinnen wir die Kontrolle, nicht nur über unsere Hände und Füße, sondern allmählich über alle Glieder, so dass unsere Entwicklung rasche Erfolge aufweist. Haben wir einmal die äußeren Gliedmaßen unter die unmittelbare Kontrolle des Willens und des Gedankens gebracht, dann werden wir den ganzen Körper unter Kontrolle bekommen. Kontrollieren wir die Armmuskeln, besonders den zwei- und dreiköpfigen Muskel im Oberarm, dann ist der erste Schritt zur Kontrolle des Seelenzustandes getan und die seelischen Kräfte beginnen rege zu werden.

Die Kontrolle über die äußeren Gliedmaßen befähigt uns, einen Gedanken blitzschnell durch den Körper zu schicken, so dass die Intelligenzen und Energien der Körperzellen sich bewusst werden, dass wir denken, und sich blitzschnell für den Gedanken empfänglich machen. Außerdem ist es auch materiell von Vorteil, die volle Kontrolle über die Finger zu haben, sei es, dass wir ein Musikinstrument handhaben oder sonstwie geschickte Hände für Handfertigkeiten brauchen.

Wie unscheinbar diese Übungen auch sind, so verhelfen sie uns schließlich doch zur Bemeisterung unseres Körperinstrumentes, wenn wir sie getreulich, bedachtsam und verständig durchführen. Gib dabei acht auf die verschiedenen Stellungen der Hände und der Arme, weil sie auf verschiedene Gehirngruppen und durch diese auf verschiedene Organe wirken.

Üben wir getreulich weiter, dann werden wir uns nach und nach über alle die Dinge klar, die bisher außerhalb unseres Denkbereiches lagen. Alles klärt sich uns, wie sich der Tag klärt, wenn die Sonne aufgeht. Wir brauchen nicht mehr angestrengt zu grübeln, sondern wir denken nach, ziehen Vergleiche, schlußfolgern daraus, finden die Wahrheit und erweitern unsere Erkenntnis.

Wir begreifen, dass die Erde eine Art Kindheit durchgemacht hat wie wir Menschen. Als Kinder waren wir ungestüm, unberechnet in unseren Bewegungen, liefen bald hierhin, bald dorthin, stießen uns hier und wurden dort gestoßen, nicht, weil wir bösartig gewesen wären, sondern weil das unserem kindlichen Alter entsprach. Mit fortschreitenden Jahren wurden wir bedächtiger, zielbewusster und verständiger, türmten Berge von neuen Begriffen auf und gerieten dabei in Schluchten, an den Rand von Abgründen oder sahen uns steilen, unzugänglichen Gipfeln gegenüber. In den Schluchten und Abgründen sammelten sich unsere Gedankenläufe, zwar nicht als die Quellwasser unseres Herzensbornes, sondern als das Ergebnis der rasch wechselnden Eindrücke und Einflüsse auf unsere mehr oder weniger negativen Sinne.

Diese Einflüsse sind das Gegenstück zu den Winden, die von den Bergesgipfeln talabwärts ziehen und nicht aus dem Inneren der Erde kommen. Sie erheben sich als leichte Brise in den Bergen, werden zum Winde, zum Sturme und vernichten als wirbelnde Orkane alles, was ihnen in den Weg kommt. Die Entwicklung der Erde ist also noch nicht abgeschlossen, ebensowenig wie die Entwicklung des Menschen.

Aber der Mensch hat voranzugehen und die Gesetze der Harmonie für sich zu verwirklichen, damit seine Umgebung ihm nachfolge und sich ebenfalls harmonisch gestalte. Wir können immer mehr die Herrschaft über alles erlangen, was in uns ist, können unsere Sinne mehr wecken und verfeinern und die Hände immer geschickter machen in der Gestaltung des Vollkommenen. Ebenso wie bei Gott kein Ding unmöglich, sondern alles, was denkbar ist, auch verwirklichungsfähig ist, ebenso ist alles, was in unserem Intelligenz- oder Gedankenwesen aufkommt, verwirklichungsfähig, weil sich die ewigwirkende Intelligenz oder der unendliche Gottgedanke im Menschen eingeboren hat.

Wir verlassen uns deshalb auch nicht mehr auf das „Hörensagen“, sondern wissen sofort, wenn wir etwas hören, was daran wahr und was falsch ist. Lesen wir z.B. etwas in einem Geschichtsbuch, dann erkennen wir sofort den wahren Sachverhalt und auch, aus welchem Grunde der Geschichtsschreiber falsch berichtet hat, weil unsere feineren Sinne erwacht sind. So wird uns alles in unserer Umgebung zu einer Fundgrube immer neuer Erkenntnisschätze.


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"Az élet szépsége abban rejlik, hogy megtanuljunk, a mi karakterisztikus tulajdonságainkon uralkodni. Nekünk nem kellene iparkodnunk ettõl, vagy attól megszabadulni. Nekünk azt kellene megtanulnunk, hogy önmagunkat megértsük."
Dr. O.Z.A. Hanish