Lektionen zur Atemlehre: Atem, Ton und Schwingung

Lektionen zur Atemlehre: Atem, Ton und Schwingung

1. Immer weiter üben

Die Übungen der Atemlehre gelten für die ganze Lebenszeit. Im Anfang macht man sie ja nur mechanisch, und sie wirken dann dementsprechend. Allmählich aber wird man sich der Sache bewusster, und dann wirken sie mehr geistig, weil die Wirksamkeit der Drüsen zunimmt. Wollen wir uns weiterentwickeln, so bleiben auch die Atemübungen unsere ständigen Begleiter, nur dass wir sie immer verständiger machen und dadurch aus der Atmosphäre mehr Elemente an uns ziehen und neue Stoffe daraus herstellen, die vorher in unserem Körperhaushalt noch nicht hergestellt werden konnten, weil die Organe noch nicht bereit dafür waren. Daher muss die Atemlehre immer wieder erläutert werden, immer wieder müssen andere Möglichkeiten des Atmens erklärt werden.

Die Atemlehre bleibt also immer das Erste für den Schüler. Nach und nach kommt die Ernährungslehre hinzu, weil das Interesse dafür von selbst hervortritt. Gewöhnlich taucht nach 3 bis 6 Monaten beim Schüler der Gedanke auf: „Dies und jenes schmeckt mir nicht mehr, ich muss mich doch einmal befragen.“ Noch während er die bessere Ernährung aufnimmt, kommt ihm der Gedanke an die Körperpflege, dass der Körper Berücksichtigung verlangt, dass nicht nur auf Magen, Leber und Nieren zu achten ist, sondern auch auf eine geordnete Geschlechtspflege. Diese kommt aber immer erst etwas später in den Vordergrund, weil man sich die Zusammenhänge zunächst noch nicht zur Genüge überschlagen kann, sondern erst allmählich erkennt, wie man hier oder da vernachlässigt worden ist oder sich vernachlässigt hat. Dann besorgt man einfach das Nötige und wird auf die Drüsenpflege von selbst aufmerksam und dafür interessiert. Ein Kind von 6 Jahren kann ja auch nicht gleich die Mathematik aufnehmen, sondern muss zunächst durch alle die Elementarstufen gehen. Allmählich erweitert sich dabei das Denkenswesen, wenn die den Talenten entsprechende Umgebung da ist. Übt sich das Kind vorbereitend in der Chemie, Physik, Mechanik und Technik, dann entwickelt sich der Erfindergeist von selbst. Aber Erklärungen nutzen da dem Kinde nichts, es sei denn, es hat sich soweit entwickelt, dass sich seine korrespondierenden Gehirnintelligenzen mit den Erklärungen vereinbaren.

Infolgedessen kann man erst allmählich darauf zu sprechen kommen, wie die Drüsen, das Gehirn und die Gehirnintelligenzzellen arbeiten und sich mit der Zirbel vereinbaren, wie sich das Gesinn erweitert, und wir erkennen den Seelen-, Geistes-, Illuminations- und schließlich den Überbrückungszustand zum göttlichen Atom in der 5. hinteren Herzkammer.

Daher ist Mazdaznan nicht in der Lage, die Wissenschaft des Lebens und die transzendentale Philosophie der Ewigkeit kundzutun, sondern kann nur Ergänzungen geben, nur Vorbereitungen treffen für das, was dem Menschen werden kann und soll. Es ist also die Hauptsache, sich vorzubereiten, so wie man den Acker vorbereitet. Wenn man nur philosophiert über den Ackerbau, wächst einem keine Ernte, vielmehr verkommt man schließlich dabei, wie man es ja beim Durchschnittsmenschen sieht. Wir müssen einfach alles entwickeln, was dem Erfindergeist vorausgeht, müssen alle Vorbereitungen treffen für eine Sache, die sich verwirklichen soll. Denn die Naturgesetze lassen sich nicht umgehen. Alle vom Menschen gemachten Gesetze lassen sich umgehen, nicht aber die Gesetze der Natur und die Prinzipien der Unendlichkeit. Man begegnet ja sogar mitunter Leuten, die ein Kind in einem Nu haben wollen! Solche Ideen! Alles muss nach den Naturgesetzen gehen, weil die Natur keine Ausnahmen kennt.

2. Stufenweise üben

Zur Erweiterung des Bewusstseins und der Erkenntnis müssen wir die rhythmischen Atemübungen bewusst und religiös machen. Dazu müssen die Atemzüge in ein gewisses Zeitmaß gesetzt werden. Es dauert Jahre, bis man das einigermaßen heraus hat und bis sich die Lungen so entwickelt haben, dass sich die Lungenmuskeln in einem festgesetzten Zeitmaß von selbst zusammen- und auseinanderziehen.

Atmen wir 7 Sekunden ein, dann ist die 8. Sekunde die Umwandlung, und dann erst folgt die Ausatmung bis 7, enthalten bis 8 und dann wieder einatmen bis 7 usw. Setzen wir uns als Maß 4, 5, 6, 8, 9 oder 10, dann halten wir diesen Maßstab, wenn das möglich ist. Aber der Durchschnittsmensch kann höchstens den Sieben-Sekunden-Atem 3 Minuten lang innehalten. Viele bringen es aber nicht einmal bis auf 7. Diese rhythmischen Atemzüge übt man drei- bis fünfmal am Tag und jahrelang, aber mindestens 3 Monate, ehe man weitergeht.

Dann kommen die melodischen oder choralmäßigen Atemübungen, indem man choralmäßig ein- und ausatmet, z. B. nach der Melodie „Nun, dazu sage Amen“. Das sind die richtigen Übungen in allen Notfällen, wenn man sich nicht wohl oder bedrückt fühlt, wenn man erkältet ist oder Atembeschwerden hat. Nach einfacheren Melodien kann man dann kompliziertere gebrauchen, z. B. „Dies sei alle meine Tage“. Später kommen dann die systematischen Übungen mit Opernmelodien oder Kompositionen, nach denen man atmet, bis sich alles richtig gesetzt hat im Organismus und gewisse Intelligenzen zum Vorschein kommen. Die Melodien „Es ist Sonne“, „Es ist Frühling“, „Ich lass’ dich nicht“, „Treffen wir uns an dem Strome“, „Worte der Seligkeit“, „O Tag des Heils“, „Daniel“, „Wieviel Gutes“ und ähnliche rechnet man zu den systematischen Melodien. Man folgt der Melodie in Gedanken und atmet dementsprechend ein und aus oder man singt sie.

Die Texte und Noten finden Sie im Mazdaznan-Liederbuch „Avesta im Lied“, die Melodien auf der CD „Avesta in Audio“ mit 72 Liedern oder der kompletten Mazdaznan-Liedersammlung auf 12 CDs „Avesta komplett“.

Der Druck der Einatmung und der Gegendruck der Ausatmung, das Zusammenziehen der Lungenmuskeln auf der einen Seite und der Leibesmuskel auf der anderen Seite schaffen immer wieder etwas Neues. Aber die melodisch-choralmäßigen und die systematisch-abwechslungsvollen Übungen erzielen nichts, wenn nicht vorher die Lungen unter die Kontrolle des Gedankens gebracht worden sind vermittels der rhythmischen Atemzüge, beginnend bis 4 und allmählich sich erweiternd bis auf 5, 6, 7.

Alle rhythmischen Atemübungen verbleiben in der festgesetzten Länge. Setzen wir also die Zahl 4 fest als die Länge der Atemzüge, dann müssen alle Ein- und Ausatmungen im Bereich der 4 verbleiben. Setzt man sich 5, 6 oder 7 fest, dann verbleibt man in dieser Länge und zwar nicht weniger als 3 Minuten, d. h. für die Dauer der ganzen Übung, damit sich die Lungen an die Länge gewöhnen. Die Zahl 4 ist die kürzeste Länge, die man zu üben hat, dann übt man bis 5, 6, schließlich bis 7. 7 ist die festgesetzte Länge für ein jedes Temperament ohne Unterschied des Baues der Lunge oder der Konstitution, um uns in beständiger Entwicklung zu halten.

3. Summ-Übungen

Zu gleicher Zeit sind diese rhythmischen Atemübungen auch Stimmübungen, indem man bei der Ausatmung die Stimmbänder in Gebrauch bringt, zunächst bei der Ausatmung schwach singt oder summt, dadurch mit den Stimmbändern bekannt wird und zugleich auch die Eingebung entwickelt, der man Folge zu leisten sich langsam gewöhnt. Die Eingebung macht uns vermittels des Gefühls mit den Stimmbändern bekannt, mit ihrer Lage, ihrer Kontrolle, ihrem Gebrauch. Allmählich wird bei den Übungen auch der Ausdruck der Stimmbänder stärker; wir werden uns gewahr der Muskeln, wie sie sich allmählich immer mehr unter unseren Willen begeben, bis wir schließlich durch das Singen und Summen bei der Ausatmung die Muskelvibrierungen des ganzen Körpers kontrollieren. Nach und nach singen und summen wir stärker, ohne uns aber dabei anzuspannen.

Immer wieder müssen wir zurückkehren zum Ursprung unseres Wesens. Durch die Lungentätigkeit erlernen wir die Schwingungen des Lebens immer weiter zu fördern. Wenn wir von Zeit zu Zeit wenigstens den Gedanken hinzusetzen, damit mehr rhythmische, melodische und systematische Schwingungen erzielt werden, wird uns das Lebensziel immer deutlicher und wir erkennen immer mehr die Wichtigkeit unserer Gegenwart. Übung macht den Meister! Wenn man immer wieder das gleiche übt und wiederholt, prägt sich das Gedachte und Getane nicht nur ein, sondern wird durch die andauernden Einprägungen zu lebendiger Wirklichkeit, setzt sich fest, wurzelt sich ein, erhält sich selbst, wächst und bewegt sich weiter.

So ist es auch mit diesen Atemübungen. Man muss den Gedanken des Atems immer fester setzen durch Wiederholungen, erweitertes Nachdenken und Erläutern, bis einem der Sachverhalt so klar und überzeugend ist, dass er sich dann weiter in uns fortpflanzt, ohne dass man den Atemzügen selbst noch weitere Aufmerksamkeit schenkt. Dann erst ist einem eigentlich die Sache von vollem Nutzen. Man darf nie nachlassen, neue Anregungen zu schaffen, durch die uns schließlich die Sicherheit und Zuversicht alles dessen wird, was sich nur das Herz wünscht und erwartet.

Wir machen bald ausfindig, dass die Töne, die wir beim Summen von uns geben, anfangs dumpf sind wie Äolsharfen. Erst nach einiger Zeit gibt man reinere Töne von sich. Wenn man sofort einen Erfolg, eine Wandlung, eine Umwandlung bemerken will, muss man ganz entspannt bleiben, muss durch die Übungen allmählich die Schwingungen verlängern und das Gehirn animieren, seine Intelligenzen zum Vorschein zu bringen. Wir müssen uns also den Übungen ganz gemütlich hingeben und den Gedanken festhalten.

Denn die Gedankenübertragung des inneren Wesens auf diese Ein- und Ausatmungszüge ist es, die das eigentliche Leben in uns schafft oder die Erweckung erzielt und das Bewusstsein schürt. Immer mehr müssen wir uns des Gedankens bewusst werden, der sich vermittels des Gesinns ausdrückt. Das Gesinn selbst denkt nicht und kann nicht denken, sondern regt das Denkenswesen an; durch dessen Regsamkeit in Verbindung mit anderen Gehirnintelligenzen wird uns dann das, was wir uns zunutze machen sollen. Wir müssen uns aber des Gedankens gewahr werden und wie sich seine durch das Gesinn weitergeleiteten Vibrierungen erweitern.

Um den ganzen Vorteil vom Summen durch erhöhte Vibrierungen zu erlangen, darf man die Lippen nicht zusammenpressen, sondern muss sie teilen, nicht öffnen, sie also so halten, dass man keinen Druck auf sie ausübt. Man hält sie also ganz frei und gelassen, damit der Ton erschallt und infolgedessen die geteilten Lippen sich mehr und mehr auf die Ätherwellen verlegen und die Vibrierungen durchdringender werden. Wenn man so summt, kann man sogar die gesummten Worte ganz genau verstehen. Diese durchdringenden Vibrierungen beleben den Körper immer mehr, und immer mehr werden wir uns gewahr der in uns wohnenden Macht und Kraft und des in den Worten liegenden Geistes, so dass wir die Bedeutung jedes Wortes immer klarer erkennen.

Je tiefer wir ausatmen beim Summen, um so mehr Kontrolle erlangen wir über alle die Speicheldrüsen und um so mehr bestärken wir die Muskeln nicht nur der Lungen, sondern auch der Organe, so dass sie sich in ihrer richtigen Lage halten oder dorthin zurückkommen, wovon ja unsere Gesundheit abhängt. Schon bei der kleinsten Unordnung in der Lage der Organe entsteht ein Druck auf diese oder jene Nervenzentren, die Vibrierungen nach dem Gehirn werden unsicher und infolgedessen auch die Offenbarungen der entsprechenden Intelligenzen. Dann entsteht Missstimmung in uns, wir leiden darunter nicht nur körperlich, sondern werden auch geistig zurückgehalten. Denn in der Natur gleicht sich alles aus.

Selbst wenn wir keine besonders gute Stimme haben, können wir doch wenigstens summen. Denn auch durch das Summen werden Vibrationen erzielt, die den Blutumlauf erhöhen, die Nerven bestärken und die Drüsen schüren, deren Ätherstoffe das Gehirn erreichen sollen. Dies ist nötig, damit wir immer mehr Einsicht und Klarheit erlangen und uns immer mehr gewahr werden der Verbindung zwischen Gesinn, Seele, Geist und Gottesfunken, diesen 4 Dimensionen der Unendlichkeit. Dies ist die Voraussetzung dazu, dass wir durch den Überbrückungszustand der 4. Herzkammer schließlich in unser Innerstes selbst eingehen und erkennen das individuelle Prinzip des menschlichen und des göttlichen Lebens, was dasselbe ist.

Nur auf dem Wege der Erkenntnis, nicht der materiell und sinnesmäßig begrenzten Kenntnis, werden wir uns bewusst unseres eigenen ewigen Wesens, das sich gleichsteht mit der Gottheit, und dieser Weg der Erkenntnis geht durch den Gesinnes-, Seelen-, Geistes- und Illuminationszustand. Sobald uns dieser Gedanke klar wird, gibt es für uns keine Gefahren, Unannehmlichkeiten oder Begrenzungen mehr, auch nicht in der Arbeit. Denn auch die Arbeit ist uns dann nur ein Mittel zu dem Zweck, den Weg weiter zu gehen, der uns leitet von einer Klarheit oder Erkenntnis in die andere, auf dass wir aus dem Glauben ins Schauen gelangen, also das Bewusstsein uns aneignen. Das ist ja der Zweck des Lebens.

4. Im eigenen Gehörkreis

Sobald sich die audionischen Wellen auf die musikalischen Zellen des Gehirns übertragen lassen, bekommt man das Gefühl für die Musik. Jeder Ton muss gleich einem Gegenstand vor uns auftauchen, muss fassbar und begreiflich sein und wir müssen ihm folgen können. Wenn wir uns auch die Ätherwellen nicht vorstellen können, können wir sie doch mit reißenden Strömen vergleichen, auf denen kleine Kähne getragen werden, jeder einen Ton über die Strömung dahinführend, und können dann die Töne und Wellungen bis in die Unendlichkeit verfolgen, aus der wir sie als Widerhall in unseren Ohren vernehmen. Wir sollen also einem Ton nicht nur folgen, bis er sozusagen verschwindet, sondern bis er zu uns zurückkehrt. Jeder Ton muss ja zurückkehren. Denn jeder Ton ist oberhalb fließend oder reflektiv und unterhalb zurückkehrend oder refraktiv. Die Gesetze der Reflektion (Rückstrahlung) und Refraktion (Brechung) sind es, die uns erkennen lassen das Leben und alles, was das Leben in seinen vielfältigen Schattierungen ausmacht. Wenn wir diesen Gedankenlauf bezüglich der Töne nehmen können, dann nimmt unser Gedanke seine Richtung jeweils dahin, wo weitere Segnungen oder Erfolge unserer warten.

Deshalb sollen wir ja auch unsere einfachen Übungen immer mehr mit unserer Arbeit verbinden, d. h. unsere Atemzüge beständig in einer gewissen Ordnung befolgen. Wir können

1. die Ausatmungen verkürzen und die Einatmungen verlängern und dann
2. umgekehrt verfahren,
3. den Atem innehalten auf 15, 30, 45 Sekunden und länger, wodurch die noch nicht verarbeiteten Elemente Gelegenheit bekommen, sich zu sammeln, um dann chemisch verarbeitet zu werden.
4. Man kann sogar mit dem Gedanken diesem Verlauf folgen, während man mit den Händen oder Füßen eine Arbeit vollzieht.
5. Dann bekommt man es allmählich fertig, in einer gewissen Richtung zu denken und in anderen Richtungen die Hände und die Füße arbeiten zu lassen. Das entspricht durchaus den Gesetzen der Reflektion und Refraktion.

Wenn man in die Berge ruft, kommt der gleiche Ton zurück; nur ist er feiner, mehr modifiziert, weil er verschiedenen Umwandlungen und Verwandlungen unterzogen worden ist. So ist es auch, wenn wir unsere eigene Stimme hören. Deshalb wird uns auch immer wieder der Rat erteilt: Wenn wir etwas Belehrendes, Inspirierendes lesen, sollen wir es halblaut vor uns hinlesen, damit der Ton den Gedankenlauf aufnimmt. Es kommt nicht darauf an, wie viel man liest, sondern dass man das Wichtige aufnimmt, was von Erfolg für uns sein könnte. Liest man aber nur mit den Augen, dann liest man mehr, als man sich einprägen kann, und am Ende weiß man nicht mehr, was man gelesen hat.

Indem man die Gebete und Sprüche halblaut vor sich hinspricht, nur so laut, dass man sich selbst hört, gibt es schon eine Weiterentwicklung. Auch bei sanften, liebevollen Gesängen, wenn auch schnell und heiter gesungen, konzentriert man sich mehr auf die eigene Stimme. Wenn man sich selbst hört, also sich empfänglich macht für die Tonwellen, dann übertragen sich auf den gleichen Wellen refraktiv auch die Töne anderer. Dadurch nehmen wir immer mehr die verfeinerten, verbesserten Töne in uns auf und werden ermutigt, von unseren Stimmbändern entsprechenden Gebrauch zu machen oder wenigstens sie für entsprechenden Gebrauch zu üben.

Wann immer die inneren Vibrierungen kontrolliert oder verfeinert werden sollen, darf man sich nicht anlehnen, gleichviel ob man summt, singt, spricht oder lautlos atmet. Eher soll sich der Körper ein wenig nach vorne neigen, selbst wenn wegen der ungeübten Muskeln das Kreuz ein wenig schmerzt. Es lohnt sich, den Schmerz zu ertragen, bis allmählich die Muskeln des Rückgrates fester und die Stellung entspannt und selbstverständlich geworden ist. Dann muss man entspannt die Brust in die Höhe heben und die Schulterblätter fallen lassen. Dann fällt es einem ganz leicht, die Unterleibsmuskeln nach innen zur Magengegend zu ziehen. Je höher und freier die Brust gehoben wird, umso freier können sich dann auch die Lungen bewegen und ihr richtiges Volumen entfalten.

Der Anfänger beginnt beim Summen und Singen mit einer Oktave, bis jeder Ton klar klingt. Nach einigen Wochen erweitert man die Oktave nach oben und unten. Das Summen oder das Singen ist nicht nur eine Vibration der Stimmbänder, sondern durch diese auch eine innere Massage, sowohl für die Organe des Körpers als auch für die Körperflüssigkeiten. Infolgedessen erzielen wir durch den verbesserten Blutumlauf ein höheres Glücksgefühl und durch die Belebung der Gehirnintelligenzen und des Gesinns neue Offenbarungen.

5. Druck und Gegendruck

Bei den rhythmischen Atemübungen wird während 7 Sekunden ein- und ausgeatmet und bei 8 eine Umkehrpause eingehalten. 

In der sitzenden Stellung legt man die Hände entspannt auf die Oberschenkel, denn selbst wenn man sie faltet oder übereinander schlägt, besteht immer noch eine gewisse Anspannung. Bei allen Stellungen, ob sitzend, stehend, gehend oder liegend, müssen wir den oberen Lungenteilen besondere Aufmerksamkeit schenken und immer wieder den Gedanken dorthin leiten, bis sich die Lungen schließlich an ihre richtige Stellung gewöhnt haben und sie beibehalten.

Beim Ausatmen müssen sich die Muskeln des Unterleibs immer mehr nach innen zur Magengegend einziehen, damit sich das Zwerchfell durch den ausgeübten Druck daran gewöhnt, selbst beim gewöhnlichen Atmen einen Gegendruck auszuüben. Durch diesen Gegendruck entsteht eine Stärkung aller Lungen-, Herz-, Zwerch- und Rippenfellmuskeln. Dadurch wird die Teilung der Elemente, ihre Vereinigung und Umwandlung zu neuen Chemikalien ermöglicht. Diesen Zustand der Umwandlung und Verwandlung der Elemente nennt man die Konverte. Im Blut ersetzen die neuen Elemente nicht nur bereits verbrauchte, sondern erzeugen neue Chemikalien, die an die Nerven weitergegeben werden.

Im Nervensystem geschehen nun weitere Umwandlungen, es entstehen wiederum neue Chemikalien, die schließlich an die Drüsen weitergegeben werden. Die Drüsen schaffen ihrerseits neue Elemente, die einerseits dem Venenblut zugeführt und andererseits in feinere Ätherstoffe umgewandelt werden. Diese Ätherstoffe dürfen durch die Drüsen nicht zurückgehalten werden, sondern müssen von der grauen Materie im Gehirn aufgenommen werden. Bestehen zwischen den Gehirnzellen und den Ätherstoffen Vibrations-Korrespondenzen, dann nehmen sie diese Ätherstoffe in ihr Zellgewebe auf, erhöhen dadurch ihre eigenen Schwingungen und knüpfen so eine neue Verbindung mit dem Gesinn in der Zirbel, der Schaltzentrale unserer Sinneswahrnehmungen. Auf diese Weise gelangen wir sozusagen zur Besinnung, besinnen uns eines anderen, eines Besseren, erweitern den Gesichtskreis unseres Denkenswesens und damit auch aller Gehirnintelligenzen.

So nehmen wir zu an Erkenntnis und Bewusstsein, erleichtern uns das Alltagsleben und bekommen Offenbarungen oder Gedanken für neue Pläne, neue Mittel und Wege, bekommen tiefere Einblicke in die Materie, die Erde, die Menschheit und dringen auch immer tiefer in die Unendlichkeit ein. Das alles erreichen wir, wenn wir uns des ewigwirkenden Gedankens in unserem Wesen bewusst werden.  

Von Dr. O. Z. A. Hanish.
Auszüge aus Offenbarungen 1932.
Foto: Adobe Stock @ Kalle Kolodziej


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