Atem oder Alzheimer? Atmen beeinflusst die Gehirntätigkeit!

Zählen Sie auch zu den Menschen, die ständig ihren Schlüssel oder die Brille suchen? Oder zu jenen, denen der Name eines alten Freundes nicht mehr einfällt? Oder stehen Sie manchmal plötzlich mitten im Zimmer und fragen sich, was Sie eigentlich gerade machen wollten? Oder gehören Sie zu denen, die während des Redens in jedem Satz drei Mal „Äh“ sagen? Alltägliche Situationen, die uns allen schon mehr oder weniger häufig vorgekommen sind. Nach einer möglichen Definition könnte es sich sogar um die Demenzerkrankung Alzheimer im Frühstadium handeln, die mit „zufälliger Vergesslichkeit“ beginnt. Ganz sicher ist aber, dass solche Formen von Gedächtnis- oder Konzentrationsstörungen eine Ursache haben: Sauerstoffmangel!

 

Bisher hatte man als Risikofaktoren dieser fortschreitenden Abnahme von Hirnfunktionen, die mit scheinbar zufälliger Vergesslichkeit beginnt und mit dem Verlust des Verstandes endet, vor allem Diabetes, Schlaganfall, verstopfte Arterien, genetische Faktoren (in nur 5 % der Fälle) oder einfach das Alter ausgemacht. Wissenschaftler der University of British Columbia haben nun in einer Studie herausgefunden, dass es eine ultimative Ursache gibt, den Sauerstoffmangel, der dieser (und anderen) Krankheiten zugrunde liegt und letztendlich zur totalen Verwirrtheit führt. Warum die Wissenschaft so lange gebraucht hat, um zu dieser nahe liegenden Erkenntnis zu kommen, ist mir allerdings schleierhaft. Es ist doch längst bekannt, dass Menschen, die unter Sauerstoffmangel leiden, mitunter schweren Schaden nehmen können. Dabei ist die Unterversorgung mit Sauerstoff durch mangelhafte Durchblutung der Organe und Extremitäten das „kleinere“ Übel. Krankheiten wie Ablagerungen, Krämpfe, Übersäuerung, Gärung, Stoffwechselstörungen und Schädigungen der inneren Organe sind die Folge. Erfolgt allerdings eine Unterbrechung der Sauerstoffversorgung im Gehirn, dann kann es zum Ausfall von (lebens-)wichtigen Körperfunktionen (z. B. Lähmungen) und schweren Hirnschädigungen kommen. Zu diesen Behinderungen kann es schon durch Sauerstoffmangel vor oder während der Geburt, aber auch durch Unfälle kommen. Alles bekannt und nichts Neues bisher.

Machen wir uns aber einmal die Folgen bewusst, wenn nicht durch ein plötzliches Ereignis wie einen Unfall, sondern tagtäglich über einen Zeitraum von Jahren und Jahrzehnten das Gehirn unter Sauerstoffmangel leidet. Erinnern Sie sich doch einmal an eine Schulstunde in Ihrer Kindheit, wo Sie mit den anderen Kindern in einem stickigen, trockenen Raum saßen, in dem schon zwei Stunden nicht mehr gelüftet wurde und Sie sich schon lange nicht mehr auf das, was der Lehrer von sich gab, konzentrieren konnten. Oder Sie saßen mit 250 anderen Studenten in einem Hörsaal, der normalerweise für 150 Personen ausgelegt war, und Sie waren verzweifelt bemüht, Ihr Hirn wissenschaftlich zu betätigen. Oder Sie sitzen täglich 8 Stunden an Ihrem Schreibtisch im Büro und die größte körperliche Anstrengung, die Sie täglich zu bewältigen haben, ist der Weg zur Kaffeemaschine und zurück. Sicherlich kennen Sie auch aus Ihrem Alltag solche „Sauerstoffmangelsituationen“.

Unschwer nachzuvollziehen, dass viele sich, bedingt durch ihre Arbeits- und Lebensweise, zu wenig bewegen, um den Blutumlauf durch Muskelbewegung anzuregen und u. a. bedingt durch schlechte Körperhaltung, zu flach atmen. „Aber genau deshalb mache ich ja auch zum Ausgleich Sport“, wird der ein oder andere entgegnen. Das ist prima, denn während der Bewegung wird im günstigen Fall der Blutumlauf erhöht und somit werden wenigstens die Muskeln mit mehr Sauerstoff versorgt. Im ungünstigen Fall, das heißt bei starken Belastungen, findet die Muskelbewegung nicht im aeroben (sauerstoffreichen), sondern im anaeroben (sauerstoffarmen) Milieu statt, was die Bildung von Milchsäure zur Folge hat, die dann wieder eine Mangelversorgung und Verletzung der Muskulatur zur Folge hat (Muskelkater). Außerdem wird beim Sport der größte Teil des Sauerstoffes für die Muskelleistung benötigt und für das Gehirn fällt vergleichsweise wenig dabei ab. Die Verstärkung der Atemtätigkeit beim Sport ist auch nicht wirklich nachhaltig, denn nach der Anstrengung verflacht die Atmung wieder zusehends.

Die wenigsten kommen in diesem Zusammenhang auf die einfachste und effizienteste Methode, um den Sauerstoffmangel im Körper und Gehirn zu beseitigen: Tiefer Atmen! Zuerst kommt die Ausatmung! Bevor wir überhaupt die Lunge und damit das Blut mit genügend Frischluft und Sauerstoff versorgen können, müssen die Lunge und das Blut erst einmal in die Lage versetzt werden, etwas aufzunehmen, das heißt, die Lunge muss soweit wie möglich entleert werden, um dann mit der Einatmung wieder ausreichend gefüllt zu werden.

Ein kleines (Rechen-) Beispiel kann das verdeutlichen: Aus einem Aquarium mit 5 Litern Volumen soll das dreckige, abgestandene Wasser durch Frischwasser ausgetauscht werden. Stellen wir uns vor, wir entnehmen nun einen halben Liter verbrauchtes Wasser. Wie viel Frischwasser können wir jetzt wohl einfüllen? Ergebnis: Einen halben Liter. Wie häufig werden wir wohl den halben Liter austauschen müssen, bis wir das Wasser vollständig gereinigt haben? Antwort: Sehr, sehr oft. Völlig aussichtslos wird dieser Reinigungsversuch, wenn gleichzeitig eine andere Person weiterhin Dreckwasser in unser Aquarium gießt. Stellen wir uns nun vor, dass wir aus dem dreckigen Aquarium drei oder sogar vier Liter Dreckwasser herausschöpfen und durch die gleiche Menge Frischwasser ersetzen. Unschwer nachzuvollziehen, dass die Wasserqualität im Aquarium sich schnell und wirkungsvoll verbessern wird! Was soll nun dieses nautische Gedankenspiel?

Übertragen wir nun das Bild des Aquariums auf unsere Lunge. Die Lunge hat ein Volumen von z. B. 5 Litern (individuell natürlich sehr unterschiedlich) und ist gefüllt mit Luft, die stark mit Kohlensäure aus dem Blut angereichert ist. Wenn wir nun flach, das heißt nur eine Sekunde oder sogar nur eine halbe Sekunde ein- und ausatmen, dann wird auch nur ungefähr ein halber Liter Luft ausgetauscht und somit kann auch höchstens ein halber Liter sauerstoffreiche Luft in die Lunge gelangen. Das bedeutet, dass auch nur eine sehr kleine Menge Sauerstoff an das Blut weitergegeben werden kann. Das Blut wiederum hat nun die Aufgabe, den Sauerstoff im Körper und im Gehirn zu verteilen, um dann beim Zurückfließen Kohlensäure wieder zurück zur Lunge zu transportieren, wo sie ausgeschieden werden sollte. Die Folgen sind katastrophal: Nicht nur, dass das Blut nicht genügend Sauerstoff in den Körper transportiert, es kann auch die Zellen nicht von der im Körper entstandenen Kohlensäure und den Schlacken befreien. Denn wenn das Blut mit Kohlensäure beladen wieder an der Lunge ankommt, wird dort die „Annahme verweigert“, weil sich schon zuviel verbrauchte Luft in der Lunge befindet. Also muss das Blut, sauerstoffarm, dickflüssig und gesättigt wieder zurück in den Körper, wo sich der (Teufels-)Kreislauf immer und immer wiederholt, bis zuerst kleine Zipperlein, dann chronische Krankheiten und akute Anfälle (Herz- oder Hirninfarkt) dem Leben ein (vorzeitiges) Ende bereiten.

Atmen wir nun aber mehrmals täglich 10, 20, 30 oder mehr Sekunden aus, wird die Lunge (fast) vollständig entleert und kann sich (fast) vollständig mit frischer, sauerstoffreicher Luft füllen. Das Blut freut sich, es tauscht Sauerstoff gegen CO2 ein und macht sich auf den Weg, den Sauerstoff im ganzen Körper zu verteilen. Auf dem Rückweg nimmt es die Kohlensäure wieder mit und „lädt“ sie in der Lunge wieder ab. Ein vollkommener Kreislauf, der Gesundheit, körperliche und geistige Leistungsfähigkeit und Glück mit sich bringt. So einfach ist das? „Das hätte mir ja schon vorher jemand sagen können!“ Hat es auch, aber die meisten Menschen wollten es nicht hören (oder sie haben es nicht verstanden).

Daher wurden von den Weisen dieser Welt Rituale eingeführt, die die Anhänger oder Gläubigen befolgen mussten. Z. B. wird in sämtlichen Religionen (die ursprünglich Entwicklungslehren waren, bevor die Institutionen sich ihrer bemächtigt haben), sehr großen Wert auf das Gebet und den Gesang gelegt. Jesus pflegte die Anweisung zu geben „Betet ohne Unterlass“, was soviel bedeutet wie: „Spreche das Gebet auf den Atem, auf eine Ausatmung“. Die Buddhisten tönen die heilige Silbe „OM“ und die Hindus wiederholen ihre Manthren als Gesänge und Gebete oft stundenlang. Wie leicht zu erraten ist, atmen sie dabei beständig aus, reinigen also das Blut, verbessern den Blutkreislauf und regen das Gehirn an. Wenn nun noch die Schwingungen durch das gesungene oder gesprochene Wort erzeugt werden, dann kommt es nicht nur zu einer Heilung im körperlichen, sondern auch im geistigen oder religiösen Sinn. Es kommt zur Anregung der Gehirnfunktionen, zur Aktivierung des Nerven- und Drüsensystems und damit auch zu einer emotional-charakterlichen Veränderung im Menschen. Da diese Vorgänge moralisch neutral sind, können sich diese Veränderungen positiv wie negativ auswirken. Es können für Gebet (oder Sprechgesang) und Lieder positive, aufbauende und befreiende, aber auch zerstörerische Gedanken benutzt werden, beispielsweise bei Gesang und Sprechchören bei Demonstrationen, Fußballspielen, Kirchen-, Volks-, Partei- oder Kriegsliedern.

Langer Rede kurzer Sinn: Wir müssen tiefer atmen, wenn wir unsere körperliche und geistige Gesundheit wiederherstellen, erhalten oder verbessern möchten!

Da man Atem aber nicht verkaufen kann, hat sich noch keine einflussreiche Lobby diesem Thema angenommen und so haben wir selbst die Chance, endlich etwas unbeeinflusst zu tun. Manchmal werden wir gefragt, ob das bewusste und tiefe Atmen nicht gefährlich sei, weil man ja diese oder jene Krankheit hat. Die einfache und wahre Antwort ist: Ja! Der bewusste Atem ist gefährlich für unser sogenanntes Gesundheitssystem und alle Berufe und Industrien, die damit zusammenhängen, denn es macht jeden Menschen gesünder. Der bewusste Atem ist gefährlich für alle Institutionen, die den Menschen auf irgendeine Weise beeinflussen möchten wie z. B. Parteien, Kirchen, Medien usw., weil er den Menschen zu selbständigem Denken führt. Doch die größte Gefahr besteht für jeden von uns selbst, nämlich dann, wenn wir nicht bewusst atmen!

Von Jens Trautwein.
Siehe auch Mazdaznan-Atem- und Gesundheitskunde und Mazdaznan-Harmoniekunde.
Foto: Adobe Stock © primipil
 


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