„Atmet, ja, atmet!“ ist die immer wiederkehrende Mahnung. Denn der Atem ist das einzige Mittel der Natur, wodurch der Mensch Gesundheit, Kraft und Lebensmut erlangen kann.
Der Atem ist es doch, der die Pforte des Erdenlebens aufschließt und für dieses die Segnungen der Unendlichkeit bereithält, sie hervorholt aus ihren Schreinen und sie verteilt durch alle labyrinthartigen Gänge des Körpers, diesen gemäß den Gesetzen der Natur von Stufe zu Stufe der Entwicklung fördernd. Der Atem schenkt das Seinige sowohl dem Blut als auch den Nerven und den Drüsen, belebt eine jede dieser drei großen Betriebsanlagen des Körpers und weckt und verjüngt den Körper immer wieder. Darum schenken wir diesem Lebensatem unsere ganz besondere Aufmerksamkeit.
Die Lungen, von den Weisen die Flügel des Allmächtigen genannt, sind imstande, aus der Luft alle Ätherstoffe und Atomkräfte an- und einzuziehen, die notwendig sind, um den Blutumlauf und mittels der Nerven die Organe normal arbeitend zu halten, außerdem noch die Drüsen zu beleben, wovon die Erweiterung unserer geistigen Fähigkeiten abhängt. Wer sich also weder körperlicher Gesundheit noch der Macht des Gesinnes oder geistiger Fähigkeiten erfreut, sollte sich nun endlich gedrungen fühlen, zu atmen und sich zu üben im Atmen mit solchen Übungen und Stellungen, die ihn wieder gesund, kräftig und lebensmutig machen, damit er es wieder aufnimmt mit den Verhältnissen und Umständen in seiner Umgebung, um diese so zu gestalten, dass sie ihm in jeder Weise dienen.
Bei allen Atemübungen ist immer wieder ein und demselben Punkt Aufmerksamkeit zu schenken, nämlich dass sich die Lungen mit mehr Ätherstoffen und Atomkräften aus der Luft versorgen sollen als bisher, damit sie allen Körpereinrichtungen neue Lebenskräfte zuführen können für die Erfüllung ihrer Aufgaben. Je gewissenhafter und je wissenschaftlicher wir bei unseren Übungen zu Werke gehen, umso größer ist der Erfolg.
So viel leuchtet sofort jedem ein, dass die gewöhnliche, gedankenlose Art und Weise des Atmens, die der durchschnittliche Mensch pflegt, dieses Ziel nicht erreichen kann, sondern dass man eine wissenschaftliche und praktisch erprobte Methode des Atems befolgen muss – mit einem zahlenmäßigen Zeitmaß, um einen rhythmischen Ablauf der Atemfunktion zu erlangen. Die Zahl, die man schon im grauen Altertum als die richtige für das Maß ausfindig gemacht hat, ist die Zahl Sieben. Sieben Zahlen oder Zeitmaße je von der Länge einer Sekunde oder dem Ticken der Uhr sind das wünschenswerte Maß sowohl für den Atemzug einwärts als auch für den auswärts.
Wenn wir uns durch beständige Übung an dieses Atemmaß gewöhnen, werden die Atemzüge den Lungen genügend Kraft geben, verstärkte Herztätigkeit hervorzurufen, sodass das Herz das Blut bis in die äußersten Winkel des Körpers verteilen kann, wovon die Belebung und Verjüngung des Nervensystems abhängt. Diese rhythmischen Einatmungswellen wirken inspirierend auf die Natur des Körpers, der sich dadurch seiner geistigen, spirituellen Fähigkeiten bewusst wird, was erst sein Wohlbefinden ausmacht und das Gesinn und Herz befriedigt.
Sobald aber Gesinn und Herz in der richtigen Stimmung sind und der Körper zu normaler Tätigkeit zurückkehrt, können wir ohne Ende und Grenzen alle Segnungen genießen, die das Leben für uns innehält. Es ist also der Mühe wohl wert, sich der Atemkunst hinzugeben!
Von O. Z. Hanish. Aus Atem – Animationen.
Foto: Adobe Stock © Alis






