Sobald wir uns im rhythmischen Atmen üben, erkennen wir die Vielseitigkeit unserer Natur und die großen Möglichkeiten des Lebens, die auf uns warten. Dann begreifen wir, dass wir auf der einen Seite Anteil an der Unendlichkeit, auf der anderen an der Endlichkeit haben und uns deshalb von innen und von außen verstehen lernen müssen, damit wir unsere Rechte und Pflichten gegenüber beiden Seiten unseres Wesens wahrnehmen können und dadurch wieder eingesetzt werden in unser Geburtsrecht, wonach uns die Schätze des Lebens in unbeschränktem Maße zustehen.
Um frei zu werden von Krankheit, Sünde und Leid, müssen wir lernen, auf eigenen Füßen zu stehen und uns um unsere eigene Sache zu kümmern. Dies erzielen wir aber nur dann, wenn wir uns nicht unter-, aber auch nicht überschätzen und den Dingen des Alltags mit gesundem Menschenverstand begegnen, der sich entwickelt, wenn wir uns unserer 12 Sinne bedienen und damit unsere Wahrnehmungen harmonisieren oder ausgleichen. Dann fangen wir an, auch solche Dinge zu begreifen, die die Seele beglücken.
Wenn wir uns der Atempflege hingeben, brauchen wir nichts aufzugeben oder zu verlernen, ebenso wenig wie ein Baum seine Blätter abzuwerfen braucht, wenn er in die Blüte tritt. So sollen auch wir Blüte um Blüte hinzufügen und uns dessen bewusst werden, damit wir der Frucht der Freude und Glückseligkeit bewusst entgegenreifen, die darin besteht, dass wir die Wahrheit des Lebens begreifen.
Ein jeder hat die Fähigkeit, sich über die Mängel des Alltags hinauszuheben, das Gute und Bessere aus sich selbst heraus zu schaffen und sich dadurch als neues Glied in die Armee der Freien einzureihen, deren Bemühungen es schließlich gelingen wird, eine ganze Gesellschaft freizumachen und einen Gemeinschaftszustand hervorzubringen, in dem jeder Einzelne mitverantwortlich ist für das Wohl der Gesamtheit und diese wiederum jeden Einzelnen stützt und aufrechterhält wegen seines Wertes für das Gemeinwohl.
Wem es wirklich ernst ist, die Möglichkeiten des Lebens auszuschöpfen und den Weg klar zu sehen, um sich die Gelegenheiten des Alltags zunutze zu machen, der widme sich täglich einige Minuten lang bewussten, rhythmischen Atemzügen. Alle ein bis zwei Stunden, auch während der Arbeit, leere man die Lunge bis aufs Äußerste, ohne die Ausatmung zu forcieren. Die Wirkung ist größer, wenn man ausatmend einen Spruch, ein Gedicht oder dergleichen spricht, was sich an Herz und Gesinn wendet.
Während man einatmet, folgt man in Gedanken dem Atemstrom, wie er sich verteilt und verzweigt im Körper. Beim Ausatmen geht man sparsam mit dem Atem um, damit man möglichst lange auf eine Ausatmung sprechen kann. Statt zu sprechen, kann man auch singen oder summen. Je mehr Lust und Liebe wir in die Übungen legen, umso größer ist der Lohn.
Von O. Z. Hanish. Aus Atem – Animationen.
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