Persien Iran Ruinen Zarathustra

Die Tatsache jedenfalls kann nicht geleugnet werden, dass Omar Khaiyam geboren worden ist. Über den genauen Zeitpunkt herrschen sehr unterschiedliche Ansichten. Indessen kommt nicht viel auf den genauen Tag und Monat, nicht einmal das Jahr an, wo die Talente eines Charakters in Frage sind und dem Sucher, der ernstlich nach größerer Klarheit über Leben und Ewigkeit verlangt, unschätzbare Werte vermitteln.

In den Tagen Omar Khaiyams legte man ganz allgemein weniger Wert auf den Kalendertag der Geburt. Vielmehr zog jedermann die Zeichen des Tierkreises zu Rate, um sich zu vergewissern, wie sich sein Lebenslauf abspielen würde. Bei der Geburt eines Kindes befragte man sich bei einem, der die Gabe der Prophetie hatte, einem Wahrsager, Mullah, Priester oder Patriarchen, über das wahrscheinliche »Kismet«, dessen viele undurchdringliche Schleier unsern Augen das Paradies verbergen.

Omar Khaiyam wurde im letzten Drittel des Schützen geboren, wahrscheinlich am 19. Dezember unserer Zeitrechnung nach. 1025 n. Chr. wird als das Geburtsjahr angegeben und 1103 n. Chr. als das Jahr seines Heimganges. Darnach wäre er 98 Jahre alt geworden, ein sehr ehrwürdiges Alter, wenn man die vielen Schicksalsschläge, Sorgen, Wirrnisse, Enttäuschungen, Wechselfälle, Verfolgungen, Drangsale und Ränke bedenkt, wie sie einer halbbarbarischen Zeit eigen sind. Dass überhaupt seine Werke erzieherischen, literarischen und wissenschaftlichen Inhaltes wenigstens teilweise die vandalischen Zeiten und die Unterdrückungsversuche der Feinde des Fortschrittes und der Vernunft überdauert haben, ist gewiss der Vorsehung zuzuschreiben und vorbestimmt gewesen.

Als Geburtsort Omars ist ein Dörfchen in der Nähe von Naischapur in der Provinz Khorassan ausfindig gemacht worden. Naischapur war eine der reichsten Hauptstädte des alten Iran oder Persiens. »Khaiyam« ist Omars Dichter- oder Schriftstellername und bedeutet so viel wie »Zeltmacher«. Diesen Beinamen erhielt er infolge des in seiner Familie erblichen Berufes, den Omar selbst aber nur selten ausübte, obwohl er sehr einträglich und hochachtbar war zu seiner Zeit. Wir hören ihn auch gelegentlich Anspielungen auf seinen Zunamen machen in einem seiner treffenden und launigen Vierzeiler, wo er von sich rühmt, dass er »der Weisheit Zelte näht«.

Omars Vater hat den von den Vorfahren überkommenen Beruf als Zeltmacher ausgeübt und durch Beharrlichkeit, Fleiß und Geschicklichkeit ein ansehnliches Vermögen gesammelt. Er starb aber zu früh, um die seltenen Talente und die späteren Erfolge Omars zu sehen und stolz darauf sein zu können, wie sie Omars Namen weithin berühmt machten. Seine Mutter Yahyam verwendete auf seine Erziehung die größte Sorgfalt und sandte ihn, als er all den örtlichen Hauslehrern entwachsen war, an die weltbekannte Hochschule in Naischapur, die von dem berühmten Weisen Imam Mowaffek geleitet wurde.

Unter Imams persönlicher Anleitung wurden Omar all die strengen Begriffe der Rechtgläubigen eingeimpft, und er musste durch die schwersten Prüfungen gehen. Imam nahm jede Gelegenheit wahr, ihm den wahren Begriff von Al-la (»Al« bedeutet der Anfangslose und »la« der Endlose) als der »Einzigen Wirklichkeit und Wirksamkeit« des Lebens und der Ewigkeit einzuprägen. Daneben gibt es keinen Raum für Abschweifungen des Eigensinnes, sondern nur bedingungslose Unterwerfung, Aufgabe der Persönlichkeit und vorbehaltlosen Gehorsam als den »einzigen Beweis wahrer Religion«.

Naischapur war der anerkannte Sitz der Rechtgläubigen und der Stolz Persiens und besaß die berühmteste Universität des Islam. Alle die üblichen Zweige der Wissenschaft wurden hier durch die belesensten Lehrer gelehrt, die weit über die Grenzen Persiens hinaus berühmt waren wegen ihrer wissenschaftlichen Überlegenheit auf allen geschichtlichen und empirischen Gebieten, wie Zoologie, Botanik, Chemie, Medizin, Mathematik, Trigonometrie, Physik, Biologie, Anthropologie, Psychologie und Theologie, und ebenso in den sieben Künsten Grammatik, Rhetorik, Logik, Arithmetik, Musik, Geometrie und Astronomie in Verbindung mit Astrologie. Infolgedessen hielten viele Familien all der Nachbarländer darauf, ihre Söhne nach Naischapur zu senden, um ihnen die außergewöhnliche Gelegenheit zu bieten, sich dort all das wünschenswerte Wissen irgendeines Gebietes anzueignen, das jedwedem individuellen Sucher zu statten kommt und für ihn auf alle Fälle nützlich ist.

Omars wunderbare Talente und sein Weitblick erregten besonders die Aufmerksamkeit des ehrwürdigen Imam Mowaffek, der ihn zum Lieblingsschüler und Kronschützling auserkor, indem er damit rechnete, dass Omar sein Nachfolger werden könnte. Deshalb ermunterte er Omar, das Studium an der Lernschule stetig und eifrig durchzuführen.

Infolge dieser Glücksumstände erhielt Omar Zutritt zu den Privatgemächern seines Lehrmeisters und damit auch zum Familienkreise, der in sich barg die wunderschönste Tulpenblüte Irans mit Namen Schahrin, die, lebensvoll, fein gebildet, vornehm und ausgestattet mit einer bezaubernden Anziehungskraft, ihrem Vater, dem untadelhaften Imam, allen Anlass gab, sie mit Falkenaugen zu behüten und mit Adleraugen zu bewachen.

1.

Wach' auf! Denn auf die »Wage« warf den »Stein« 
Nun Korsched, so dass schwand der »Sterne« Schein. 
Doch trifft sein Strahl des »Sultans« Turm zuerst, 
Hüllt dessen Thron noch mehr in Gold nun ein.

2.

Vorüber ist der »Trug der Dämm'rung« schier, 
Der »Wahrheit Dämm'rung« endlich bricht herfür. 
Der Saki ruft: „Komm' in die Schenke, trink'! 
Lass die »Moschee« und brich dein Fasten hier!"

3.

Der Frühling füllt mit »Jesus Odem« jetzt 
Das schwache Herz und Baum und Kräuter letzt; 
Und »Blumen«, Moses Händen gleich, am Zweig 
Erblüh'n, und Kraft die ganze Welt ergötzt.

Von Dr. O. Z. A. Hanish.
Foto: Adobe Stock @ Gabrielle

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