Essen in Harmonie mit den Tages- und Jahreszeiten

Essen in Harmonie mit den Tages- und Jahreszeiten

Die geistig entwickelten Völker des Altertums erklärten die Ordnung der Jahres- und Tageszeiten für heilig, betrachteten die in den Zeiten und Stunden wirkenden göttlichen Kräfte mit religiöser Verehrung und stellten sie sich als gute Wesen vor, die die Naturgesetze verkörperten und zum Nutzen der Menschen wirkten. Die Jahres- und Tageszeiten wechseln nicht willkürlich, sondern kraft des Naturgesetzes, das die Stellung der Erde zur Sonne geordnet hat. Von der belebenden und erwärmenden Macht der Sonne hängt in erster Linie alles Wachsen und Gedeihen auf der Erde ab. Je nachdem, ob die Sonne ihren Segen der Erde spendet oder entzieht, steigt oder fällt hier unten die Waage des Lebens. Alles Leben auf unserer Erde muss sich in Wellenbewegungen vollziehen, der Einatmung muss die Ausatmung, dem Wachen der Schlaf, der Flut die Ebbe, dem Sommer der Winter, den Zeiten des Aufbauens müssen Zeiten der Ausscheidung und der Reinigung folgen. Was wir Zeit nennen, ist demnach gleichbedeutend mit dem gesetzmäßigen Wechsel, den die Natur vorgibt.

Dieses Gesetz der Zeiten wirkt auf alle Lebensvorgänge des Menschen ein. Ein Wechsel in der Ernährungsweise ist daher unbedingt notwendig, wenn wir uns gesund erhalten und weiterentwickeln wollen. Wer das ganze Jahr über die gleichen Speisen bevorzugt, wird bald altern. Eintönige Ernährung stumpft die Sinne ab und vermindert die Leistungsfähigkeit der Nerven und des Gehirns; sie steht im Widerspruch mit der Natur. Denn diese bietet ihre Erzeugnisse Monat um Monat in ständigem Wechsel und in unbeschränkter Mannigfaltigkeit zur Auswahl dar.

Wir müssen also, wenn wir gesund bleiben wollen, dem Fingerzeig der Natur folgen und mit der Jahreszeit unter den Erzeugnissen der Natur ständig wechseln und auswählen. Die Ernährung im Einklang mit den Jahreszeiten ist aber nicht nur die gesündeste, sie ist auch die günstigste. Der Kranke dagegen erschließt sich die Heilquellen der Natur, indem er Früchte- oder Gemüsekuren macht, also eine Zeit lang ausschließlich ein und dasselbe Naturerzeugnis genießt, und zwar am besten drei bis sechs Monate früher, als dieses Erzeugnis auf dem heimischen Markt erscheint. Der Südländer soll dann nordische und der Nordländer südliche Erzeugnisse genießen. Mit anderen Worten heißt das: Für gewöhnlich soll die Ernährung mit der Jahreszeit im Einklang sein, der Kranke dagegen kann durch Kuren mit ausländischen Erzeugnissen Ausgleich und Heilung finden, ja sich sogar einen Kuraufenthalt in einem anderen Klima ersparen.

Die Hauptjahreszeit für die Sammlung aller Kräfte und für den Aufbau ist der Winter, also die Monate November bis Mitte oder Ende Februar. Hierauf folgt bis Ostern eine Ausscheidungs- und Reinigungszeit, die der Natur dazu dient, sich auf den kommenden Frühling vorzubereiten. Mit Ostern beginnt das Frühjahr, eine neue Zeit des Aufbauens, und ihr folgt naturgemäß wieder eine Reinigungszeit im Hochsommer.

So sind die Jahreszeiten weise eingeteilt. Im Frühjahr bietet die Natur reichlich Eier und viel Grünes. Die Milch ist zur Zeit der aufsteigenden Naturkräfte besonders heilsam. Dann kommt die Zeit der Beeren, Kirschen, Gurken und Melonen mit Milcherzeugnissen. In der Folge reift allerlei Obst, Nüsse kommen auf den Markt und das Korn bildet dann besonders die Grundlage der Ernährung bis Februar. Zu dieser Zeit wird die Natur ganz untätig, wovon auch die Nahrungsmittel beeinfl usst werden. Was überwintert hat, wie Körner, Obst, Wurzelgemüse, verliert Wohlgeschmack und Lebenskraft und eignet sich nicht mehr zur Ernährung. Ja, sogar die Milch wirkt schädlich, weil die Tiere einerseits schon lange kein frisches Futter mehr bekommen und andererseits die auch bei den milchtragenden Tieren einsetzende Reinigung Abfallstoffe in größeren Mengen in die Milch absondert.

Die Ordnung der Tageszeiten

Dasselbe Gesetz spricht in kleinerem Maßstab aus den Tageszeiten. Die Hauptzeit des Aufbauens beginnt mit dem Abend. Diesem folgt als Reinigungszeit der Morgen bis etwa zehn Uhr vormittags. Dann tritt wieder eine Zeit des Aufbauens ein, der Mittag, und ihm folgt am Nachmittag etwa bis fünf Uhr eine zweite Ausscheidungszeit. Es ergeben sich daraus also zwei Zeitfenster, die für die Nahrungsaufnahme besonders günstig sind: 10–13 Uhr und 17–19 Uhr, wobei mindestens 4 Stunden von der letzten Mahlzeit bis zum Schlafengehen vergehen sollten. Auch zwischen den Mahlzeiten sollten mindestens 4 Stunden liegen. Jeder, der sich an diese Zeiten hält, wird die besten Erfahrungen damit machen.

Die Ordnung der Zeiten wird der Erde durch den Einfluss der Sonne und des Mondes vorgeschrieben, sie gilt für die ganze Natur und für alles Leben auf Erden. Auch die Erde ist kein toter Stein. Denn sie zeigt in regelmäßigem Wechsel positive und negative Strömungen und mit Recht sprechen wir vom Einschlummern und Wiedererwachen der Natur. Alle Geschöpfe der Erde beachten unbewusst diese Zeitordnung. Nur der Mensch, der das höchst entwickelte Geschöpf sein und dessen Gehirn doch darauf zielen sollte, das unbewusste Tun der Tiere durch bewusstes Erkennen und bewusstes Handeln zu ersetzen, glaubt, eine Ausnahme hiervon machen zu dürfen. Aber er missachtet die Naturgesetze nicht ungestraft. Wenn er die Nacht zum Tage, den Winter zum Sommer macht, muss er die Folgen davon als Krankheit und Entartung tragen. Wenn wir im Einklang mit den Jahreszeiten leben und ihre jeweiligen Erzeugnisse unserer Ernährung zugrunde legen, so bleiben wir von Krankheiten frei. Weder Hitze noch Kälte empfinden wir dann unangenehm; im Gegenteil, wir freuen uns auf den Wechsel und ziehen Nutzen daraus zur Förderung unserer Gesundheit.

Aus dem gesetzmäßigen Wechsel der Zeiten zwischen Aufbauen und Ausscheiden ergibt sich auch für den Menschen eine ganz bestimmte Ordnung der Ernährung, ergeben sich für ihn ganz bestimmte Zeiten, zu denen er nicht essen, sondern ausscheiden, fasten, den Körper reinigen soll. Zu den Zeiten, die die Natur zur Reinigung des Körpers bestimmt hat, dürfen wir entweder überhaupt nichts oder doch hauptsächlich nur ausscheidende Speisen genießen. Essen wir in den Ausscheidungszeiten trotzdem, so behindern wir durch die Zuführung neuer Stoffe die Ausscheidungsarbeit des Körpers und lenken die Tätigkeit unserer Nerven hiervon ab. Dann geht aber weder die Ausscheidungsarbeit vollständig vor sich, noch wird die neu zugeführte Nahrung richtig umgewandelt. Als böse Folge stauen sich die Lebenssäfte, zahlreiche unausgeschiedene Abfallstoffe lagern sich im Körper ab und häufen sich auf und unverdaute Speisereste gehen in den Verdauungswegen in Fäulnis über, stecken das ganze Schleimhautgewebe an und bilden einen ständigen Krankheitsherd in unserem Körper. Wir haben also allen Anlass, unsere Ernährungsweise dem Gesetz der Zeiten anzupassen.

Die Hauptausscheidungszeit des Tages ist der Morgen. Sie gebietet uns deshalb von selbst das Morgenfasten und verbietet uns, vor etwa zehn Uhr morgens aufbauende Speisen zu uns zu nehmen. Ebenso sollen wir nachmittags während der zweiten Ausscheidung nicht essen. Ausgenommen sind kleine Mengen rohes Obst oder Gemüse oder Säfte davon, da diese ausscheidend wirken und das Bestreben der Natur unterstützen.

Das Morgenfasten ist eines der besten Körperreinigungsmittel, befreit uns von Erkältungen und schleichenden Krankheiten und macht uns wieder jugendlich, frisch und leistungsfähig. Insbesondere alle Menschen, die nicht körperlich arbeiten, werden sehr bald bemerken, wie wohltätig das Morgenfasten auf Nerven und Gehirn wirkt. Wer viel körperlich arbeiten kann, fördert dadurch die Ausscheidung des Körpers und wirkt den schädlichen Folgen des unzeitigen Essens bis zu einem gewissen Grad entgegen. Wem aber das natürliche Mittel körperlicher Arbeit nicht zur Verfügung steht, der kräftigt seinen Körper durch Essen am Morgen durchaus nicht. Das ist eine leere Einbildung, die eine Generation der anderen ins Gehirn geprägt hat und unter deren Zwang wir heute stehen. Seine Verdauungswerkzeuge werden im Gegenteil dauernd überanstrengt und in Unordnung gebracht und die Tätigkeit seiner Nerven und seines Gehirns wird erheblich geschwächt. Wenn wir uns früh am Morgen schwer und arbeitsunlustig fühlen, wenn wir niedergedrückt und lebensüberdrüssig sind, so ist das eine natürliche Folge davon, dass der Körper überlastet und die Ausscheidung gestört ist, da dem Körper übermäßige und nutzlose Verdauungsarbeit aufgebürdet wurde, statt sich zur rechten Zeit der Nahrung zu enthalten und den Körper in seiner Ausscheidungsarbeit zu unterstützen. Die seelischen und geistigen Krankheitserscheinungen hängen eng zusammen mit den Störungen im Stoffwechsel. Achten wir auf diese Vorgänge, dann werden sich bei regelmäßigem Morgenfasten das Stimmungs- und Gefühlsleben völlig verändern und Missmut, Niedergeschlagenheit, eingebildete Leiden werden mehr und mehr einem jugendfrohen Schaffensdrang weichen.

Frisch ausgepresste Fruchtsäfte fördern die Ausscheidung und Reinigung des Körpers außerordentlich. Sie sind daher des Morgens als Erfrischungsmittel gestattet und allen, die nicht genügend körperliche Arbeit haben, besonders zu empfehlen. Wenn wir des Morgens nüchtern ein Glas frischen Saft kalt und langsam trinken, erfrischen wir unsere Nerven und regen das Gehirn an. Im Sommer verwenden wir den Saft von Beeren, von Kirschen, im Herbst von Trauben, im Winter liefern außer Trauben besonders Granatäpfel einen heilkräftigen Nektar, nach Neujahr Apfelsinen, Zitronen, Pampelmusen und Ananas.

Wie wir im Einzelnen unsere Ernährung den Jahreszeiten anpassen sollen und können, zeigen die Mazdaznan-Monatsratschläge.

Auszüge aus der Mazdaznan-Ernährungslehre (Ausgabe von 1926).
Bearbeitet von Jens Trautwein.
Fotos: Adobe Stock @ frenta


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